Gotthardtunnel: Ohne den Segen der Reformierten

Der Gotthard-Basistunnel soll vor seiner Eröffnung in einer interreligiösen Zeremonie gesegnet werden. Die Reformierten bedauern, nicht vertreten zu sein.

Der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel ist der längste Eisenbahntunnel der Welt. Er wird am 1. Juni 2016 feierlich eröffnet. Im Bild: Die Multifunktionsstelle Faido in der Oströhre des Tunnels. (Bild: Hannes Ortlieb/Wikimedia)

Das Bundesamt für Verkehr hat die drei grossen monotheistischen Religionen gebeten, für die Eröffnungsfeier des Gotthard-Basistunnel am 1. Juni je einen Vertreter zu delegieren. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund stellte Rabbiner Marcel Ebel und die Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz wird durch Imam Bekim Alimi vertreten. Die Christen werden durch Alt-Abt Martin Werlen repräsentiert. Er sei von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) im November letzten Jahres einstimmig gewählt worden, stellte Werlen gegenüber kath.ch klar.

«Unsere Mitglieder werden überrascht sein»

Beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) sind «einzelne Akteure enttäuscht» von diesem Entscheid, wie Kommunikations-Beauftragte Anne Durrer auf Anfrage erklärt. Die religiöse Einweihung des Tunnels finde tatsächlich im Rahmen statt, welchen der Delegierte der AGCK mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) diskutiert habe. Die Vertreter des SEK in der AGCK seien darüber informiert gewesen. «Es ändert nichts daran, dass einzelne Akteure enttäuscht sind – vor allem werden auch unsere Mitglieder überrascht sein, weil sie die Bedingungen der Teilnahme der Kirchen nicht kennen», so Durrer.

Brief an Bundesrätin

In den Medien wurden inzwischen verschiedene Stimmen laut, die sich darüber empören, dass an der Feier kein protestantischer Vertreter zugegen ist. Claude Ruey, Präsident des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen der Schweiz (Heks), sagte gegenüber der Zeitung «Le Temps», er sei geschockt über die Abwesenheit der Protestanten. Und die Schweizer Demokraten haben sich deswegen mit einem Brief bei Bundesrätin Doris Leuthard beschwert. (kath.ch)