Auf die Frage hin, ob Locher die Ängste der Bevölkerung in Bezug auf den Islam nachvollziehen könne, antwortete Locher mit «sehr sogar». «Der Islam hat ja nicht nur eine spirituelle Seite, sondern auch eine politische. Da teile ich die Ängste, die viele Leute haben», sagte der Präsident des SEK. «Der Islam hat nicht das gleiche Verständnis von Religionsfreiheit wie wir. Jenen politischen Islam möchte ich hier nicht. Die Schweiz basiert auf Werten, die massgeblich vom Christentum geprägt wurden.»
Beim Thema Kopftuch plädiert Locher für die Toleranz: «Wie sich jemand kleiden will, geht mich grundsätzlich nichts an.» Es sei schön, wenn jemand sichtbar zu seinem Glauben stehe. Ein verdecktes Gesicht hingegen, wie das beim Tragen einer Burka der Fall ist, raube einem Menschen seine Identität, sagte Locher. «Wer sich verhüllt, übernimmt keine Verantwortung. Freiheit braucht Menschen, die ihr Gesicht zeigen und zu ihrem Wort stehen.» Bei der Burka gehe es nicht um Religionsfreiheit, sondern um Verantwortungsethik und um die Würde der Frau. Religionsfreiheit sei ein hohes Gut. Auch Muslime müssten ihren Glauben frei leben können, so Locher.
Gegen Abtreibungs-Initiative
Locher äusserte sich im Interview auch zur bevorstehenden Initiative «Abtreibung ist Privatsache», die fordert, dass Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden sollen. «Es ist immer falsch, einen Menschen zu töten. Aber Abtreibung ist keine Privatsache», sagte Locher. «Die Öffentlichkeit hat eine Mitverantwortung, darum ist der Eingriff auch versichert. Aus unserer Sicht soll man den Status beibehalten und Nein zur Initiative sagen.»
Kirche keine kleine Sekte
Die Kirche müsse Verantwortung übernehmen – Schweigen sei keine Option, so Locher. «Wir sind keine kleine Sekte, die nur ihr eigenes Seelenheil im Kopf hat. Wir sind zwei Millionen Menschen mit gesellschaftlichem Einfluss. Das bedingt, dass wir uns äussern.» (kipa)