ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe

Gipfel der Welt-Ökumene eröffnet

Mir rund 4000 Gästen aus 120 Ländern hat am Mittwoch in Karlsruhe die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen begonnen. Eine Delegation der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz ist mit einem «Swiss Hub» vor Ort.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) kritisierte die russisch-orthodoxe Kirche. Neben ihm: ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca und Agnes Abuom, Vorsitzende des höchsten Leitungsgremiums des ÖRK. (Foto: Keystone/Uli Deck)

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Auftakt des Welt-Ökumene-Gipfels in Karlsruhe die russisch-orthodoxe Kirchenleitung in scharfer Form angegriffen. «Auf einen schlimmen, ja geradezu glaubensfeindlichen und blasphemischen Irrweg führen zurzeit die Führer der russisch-orthodoxen Kirche ihre Gläubigen und ihre ganze Kirche», sagte Steinmeier am Mittwoch unter grossem Applaus auf der elften Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der mehr als 580 Millionen Christinnen vertritt.

     

Die russisch-orthodoxe Kirchenführung habe sich mit den «Verbrechen des Krieges gegen die Ukraine gemein gemacht», sagte Steinmeier. Sie rechtfertige «einen Angriffskrieg gegen die Ukraine – gegen ihre eigenen, gegen unsere eigenen Brüder und Schwestern im Glauben». Diese Propaganda müsse auf dem Ökumene-Gipfel, an dem sowohl Vertreter der russisch-orthodoxen als auch der ukrainischen Kirchen teilnehmen, auf Widerspruch stossen.    

EKS mit interaktivem Pavillon

Mit einer Delegation nimmt auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) an der Vollversammlung teil. In der Netzwerk-Zone ist sie ausserdem mit einem «Swiss Hub» präsent. Dieser dient als Treffpunkt für Partner und Reisegruppen aus den Schweizer Kirchen mit rund 230 Teilnehmenden.

Der interaktive Pavillon gibt laut EKS-Medienmitteilung «einen modernen und informativen Blick auf die Werte, Figuren und Errungenschaften der Schweizer Reformierten». Teilnehmende könnten sich vor Ort einbringen und auf einer nachgebauten Gutenbergpresse ihr persönliches Vollversammlungsplakat drucken oder ihre Gedanken zum christlichen Zeugnis aufzeichnen.

Um den «Swiss Hub» zu betreiben, wird die EKS von 38 Freiwilligen und Mitarbeitenden unterstützt. Dazu organisiert sie in den kommenden Tagen Veranstaltungen, Begegnungen und Workshops. Laut der Mitteilung ist der gesamte EKS-Rat vom 30. August bis 3. September in Karlsruhe zu Gast.

Antisemitismus-Vorwürfe

Zum Auftakt am Mittwoch wies der geschäftsführende Generalsekretär des Weltkirchenrates, Ioan Sauca, Antisemitismus-Vorwürfe gegen den ÖRK zurück. Der ÖRK habe bereits bei seiner Gründung 1948 Antisemitismus als eine Sünde angeprangert, sagte Sauca. Zugleich stehe der ÖRK mit seinen 352 Mitgliedskirchen für gleiche Menschenrechte für Palästinenserinnen ein. Ziel müsse eine auf das Völkerrecht gestützte Zweistaatenlösung im Nahen Osten sein.

Der Nahost-Konflikt ist ein Streitthema auf der Vollversammlung. Beobachter erwarten, dass Kirchen Südafrikas Israel zum Apartheid-Staat erklären wollen. Davor haben unter anderem kirchliche Antisemitismus-Beauftragte und christlich-jüdische Verbände wiederholt gewarnt. Der ÖRK steht seit Jahren in der Kritik, im Nahost-Konflikt einseitig Partei für die Palästinenser zu ergreifen.

Ohne katholische Kirche

Erstmals in der über 70-jährigen Geschichte des Weltkirchenrates tagt dessen höchstes Gremium in Deutschland. Der Ökumene-Gipfel geht am 8. September zu Ende. Zum 1948 gegründeten ÖRK zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied. (epd/hz)