Gerichtshof für Menschenrechte beurteilt Suizidhilfe-Fall neu

Die Grosse Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg nimmt sich der Frage an, ob die Schweiz die Suizidbeihilfe gesetzlich besser regeln muss. Dies berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» am 9. Oktober. Damit entspricht sie einem Gesuch der Schweiz um eine Neubeurteilung eines Falls.


In dem Fall geht es um eine 1931 geborene Zürcherin, die im Mai von den Richtern in Strassburg Recht bekommen hatte. Die gesunde Frau hatte sich in der Schweiz durch alle Gerichtsinstanzen erfolglos um den Erhalt des Sterbemittels Natrium-Pentobarbital bemüht, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der EGMR war zum Schluss gekommen, dass das Recht der Frau auf Achtung des Privat- und Familienlebens verletzt worden sei.

Keine klaren Regeln bei Suizidbeihilfe für gesunde Menschen
Der Gerichtshof forderte die Schweiz zudem auf, klare und verständliche Richtlinien zu erlassen, ob und unter welchen Bedingungen sterbewilligen Personen ohne tödliche Krankheit Zugang zu dem Sterbemittel gewährt werden soll. Die Frau habe arge Bedrängnis erlitten, weil die Suizidbeihilfe für gesunde Menschen in der Schweiz zu wenig klar geregelt sei, argumentierte der Gerichtshof laut der Zeitung.

In der Folge ersuchte die Schweiz eine Neubeurteilung des Falls durch die Grosse Kammer des EGMR. Er werfe nach Ansicht der Schweiz eine schwerwiegende Frage der Auslegung oder Anwendung der Europäischen Menschenrechtskonvention oder eine schwerwiegende Frage von allgemeiner Bedeutung auf. Nun will die Grosse Kammer dem Gesuch der Schweiz Folge leisten.