Migration

Genfer Kirchen kritisieren Abschiebepraxis

In einem gemeinsamen Schreiben fordern drei Genfer Kirchen die Behörden auf, die Würde von Flüchtlingen zu respektieren. Vor weniger als einem Monat hatte sich ein afghanischer Flüchtling das Leben genommen. Er sollte nach Griechenland abgeschoben werden.

Im Frühling 2021 ist Alireza in die Schweiz eingereist. Den Behörden erklärte der Afghane, dass er in einem Flüchtlingslager in Griechenland traumatische Episoden erlebt habe. Ärzte attestierten ihm einen posttraumatischen Stress. Im Asylheim für Minderjährige soll es ihm wieder besser gegangen sein. Doch dann entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass Griechenland für sein Asylgesuch zuständig ist. Als Alireza davon erfuhr, nahm er sich das Leben. Das war vor knapp einem Monat. Der Fall sorgt in Genf für politische Diskussionen.

In einem gemeinsamen Weihnachtsappell nehmen die evangelische Kirche, die christkatholische Kirche und die katholische Kirche von Genf Bezug auf den Suizid von Alireza. Sie fordern, dass die Würde von Asylsuchenden respektiert wird. Besonders bei Abschiebungen sei das nicht immer der Fall.

Die drei Kirchen stützen sich dabei auf Erfahrungen, die ihre Vertreterinnen und Vertreter beim Umgang der Behörden mit Asylsuchenden machen. In der Medienmitteilung geben sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Auslegung der Gesetze weniger strikt und brutal erfolgt, sondern menschlich bleibt. Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen der drei Kirchen, dass die Zivilgesellschaft in der Schweiz bereits viel für Menschen auf der Flucht leistet. (pef)