Ein spärlich beleuchteter Raum, ein merkwürdiger Tresor, ein kryptischer Abschiedsbrief. So beginnt das Puzzle-Spiel «The Room». Der Spieler gerät an eine Reihe von merkwürdigen Behältern, die mit noch seltsameren Mechanismen verschlossen sind. Durch das Drehen und Zoomen der Kamera lassen sich die Behälter von allen Seiten betrachten, mit mehreren Stellen kann jeweils interagiert werden.
Es gilt, die dargestellten Symbole zu beobachten, zu kombinieren und anzuwenden, Muster zu vervollständigen und Nischen zu finden, wo Knöpfe bedient, Schlüssel gedreht und allerlei andere Gegenstände eingesetzt werden. So arbeiten sich die Spieler Schicht für Schicht und Behälter für Behälter vor, zum Kern des Tresors, wo die ultimative Erkenntnis wartet.
Das fünfte Element
Das Spiel handelt von einem Alchemie-Lehrling, der den Weg seines verschwundenen Meisters nachvollzieht. Der Meister hatte das fünfte Element beziehungsweise «Null-Element» ergründet und verspricht seinem Protegé nun Antworten und den «Schlüssel zu unfassbarer Macht».
Die aber hat er sorgfältig weggeschlossen, damit sie nicht in die Hände von Kleingeistern fallen. Nur der durch Verstand und Klugheit Würdige wird den Tresor öffnen können.
Alchemie
Mit dieser Thematik ahmt «The Room» die alchemistische Mischung aus religiösen Lehren, esoterischer Geheimniskrämerei und den aufkeimenden Naturwissenschaften nach – eine europäisch-neuzeitliche Gelehrtentradition, die als rationaler Weg galt, um kosmische und irdische Korrespondenzen zu erkennen, stoffliche oder geistige Synthesen und Metamorphosen herbeizuführen und letztlich den «Stein der Weisen» zu finden. Die Alchemie als Hintergrundthema wird zwar nur oberflächlich behandelt, trägt aber dennoch zum Mystery-Faktor des Spiels bei und fördert die Lust, zu entdecken und zu verstehen.
Mehrfach ausgezeichnet
Nicht umsonst wurde das ursprünglich als iPad-Spiel entwickelte «The Room» mehrfach ausgezeichnet. Nicht nur bietet es lebensechte, hochauflösende 3D-Grafik mit tollen Licht-Effekten sowie die realistische Geräuschkulisse knarrender und quietschender Automaten.
Auch das Rätseldesign ist mit kniffligen, aber durch sorgfältiges Beobachten, Kombinieren und teilweise auch Ausprobieren stets zu lösenden Herausforderungen gekonnt umgesetzt – ein mehrstufiges Hinweissystem schafft Abhilfe, wenn es mal nicht vorwärts geht. Die Steuerung, die reale Schieb- und Dreh-Bewegungen nachempfindet, ist intuitiv und schnell erlernt.
Auf der Kippe zum Wahnsinn
Leider ist das Spiel schon nach wenigen Stunden durchgeknobelt, was bei dem bescheidenen Preis aber völlig okay ist. Für diese kurze Zeit jedoch lässt es sich vorzüglich eintauchen in eine Welt der Gelehrten, die sich dem Mysteriösen und Mystischen Kraft ihres Verstandes zu nähern gedenken, stets auf der Kippe zum Wahnsinn.
Angaben zum Spiel
The Room (Fireproof Games 2012)
Plattformen: Windows XP SP2 oder höher; iOS 5.0 oder höher; Android 2.3 oder höher.
Sprachen: Deutsch u.a.
Offizielle Webseite: http://www.fireproofgames.com/the-room
Preis: 4.99 EUR (PC-Download-Version)
Keine offizielle Alterseinstufung. Empfehlung des Autors: Ab 10 Jahren
Über den Autor
Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.
Forschungswebseite: http://www.god-mode.ch/