Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat eine mangelnde öffentliche Diskussion kritisiert. «Ich glaube, wir erleben eine neue Kultur der Selbstgerechtigkeit: Man schliesst sich im Kokon der eigenen Überzeugungen ein, bleibt unter Gleichgesinnten und pflegt seine Vorurteile», sagte Huber in der Wochenzeitung Die Zeit vom 10. August. «Diese Selbstgerechtigkeit tötet den öffentlichen Diskurs.» Huber wird am August 75 Jahre alt. Er war von 2003 bis 2009 EKD-Ratsvorsitzender und von 1994 bis 2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Keine Lust an der Debatte
Kritik übte Huber auch an einem EKD-Positionspapier zu Flucht und Integration, das für eine «zuversichtliche Debatte über Flüchtlinge» eintreten soll, wie es bei der Vorstellung im Mai hiess. Das Papier rufe zwar zur Debatte auf, debattiere aber selbst nichts: «Stattdessen werden zehn Überzeugungen präsentiert. Das ist nicht genug!» Der frühere Ratsvorsitzende ergänzte: «Streitkultur sieht anders aus.»
Ohne Streit gebe es keinen Zusammenhalt, betonte Huber. «Es genügt nicht, still seine Aversionen zu pflegen. Es hilft aber auch nicht, sein Gegenüber zu verteufeln.» Auch in Deutschland verhärteten sich die politischen Fronten: «Wir müssen schleunigst aufhören, uns gegen unliebsame Meinungen abzuschotten», forderte er. (epd)