Filmtipp: «Finsteres Glück» im rechten Licht

Bei einem Unfall verliert Yves seine Familie. Die Psychologin Eliane Hess übernimmt die Betreuung des Waisenjungen – und verliert die professionelle Distanz. Stefan Haupts Verfilmung des Romans «Finsteres Glück» von Lukas Hartmann geht unter die Haut.

Psychologin Eliane Hess ist alleinerziehende Mutter zweier Töchter (22 und 17), die nicht denselben Vater haben. Vieles in ihrem Alltag ist angespannt, wird verdrängt, bleibt unausgesprochen. Als der achtjährige Yves bei einem Autounfall seine Eltern und seine beiden Geschwister verliert, übernimmt Eliane seine Betreuung und gewinnt auf Anhieb sein Vertrauen. Nach anfänglicher professioneller Distanz erklärt sie sich sogar dazu bereit, ihn vorübergehend bei sich zu Hause aufzunehmen. Kann Eliane Yves bei der Verarbeitung seiner Trauer helfen; kann sie gar Licht in die mysteriösen Umstände des Autounfalls bringen; und kann sie die Beziehung zu ihren Töchtern beleben?

Der Isenheimer Altar

Der Film «Finsteres Glück» lotet wiederholt mit bestechenden Bildern und Szenen die Gegensätze dunkel/hell aus und öffnet beeindruckende Perspektiven ins Licht. Regisseur Stefan Haupt gelingt es, nahe bei der gleichnamigen Romanvorlage von Lukas Hartmann zu bleiben. Seine Ehefrau Eleni als Eliane und Noé Ricklin als Yves brillieren in den Hauptrollen – neben ihnen weitere Darstellende, die allesamt überzeugen.

Wenn auch nicht so ausführlich wie im Buch, spielt der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald in Colmar eine wichtige Rolle. Die vielschichtigen Themen und Stimmungen, die der Maler ausgedrückt hat, werden aufgegriffen und mit den Lebenswelten der Protagonisten raffiniert verknüpft.

 

Thomas Schüpbach ist Pfarrer bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld und Mitglied bei Interfilm.

 

«Finsteres Glück»; Schweiz 2016; Regie: Stefan Haupt; Besetzung: Eleni Haupt, Noé Ricklin, Elisa Plüss; Verleih: Xenix Filmdistribution, www.xenixfilm.ch; Filmwebseite: www.finsteresglueck-film.ch

 

Kinostart: 17. November 2016