Filmtipp: Am Rande des Idylls

Jeannette Walls führt mit ihrer Familie ein Leben abseits des amerikanischen Traums: Ohne fixes Zuhause, ohne Sicherheiten. Der autobiographische Film «The Glass Castle» wird vom emphatischen Blick auf die einzelnen Protagonisten getragen – und wartet mit einer Art Happy End auf.

Jeannette Walls lernt schon früh, wie es ist, keine richtigen Wurzeln zu haben. Mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern reist sie durch die USA, lebt eine Zeitlang hier und dann wieder dort. Was nach Freiheit klingt, ist jedoch keine. Beide Eltern sind abhängig. Die Mutter vom Vater und der Vater von der Flasche. Trotzdem verspricht er seinen Kindern, dass die Familie irgendwann in einem Schloss aus Glas wohnen wird.

Zerbrechliches Zuhause

Der Loslösungsprozess der Kinder ist lange und schmerzhaft, pendelt immer irgendwo zwischen Hoffnung und Wut, Enttäuschung, Scham und einer nicht zu negierenden Verbundenheit. Die Geschichte beruht auf dem autobiografischen Roman von Jeannette Walls, in dem sie ihre Kindheitserinnerungen niederschrieb. Sie erzählt darin, dass sie und ihre Geschwister oft hungern mussten, in kaputten Kleidern herumliefen und dafür verspottet und gehänselt wurden.

Brie Larson, Naomi Watts und Woody Harrelson spielen das Tochter-Elterngespann mit einer Intensität, die die inneren Kämpfe und äusseren Konflikte der Figuren realistisch wiedergibt. Man versteht die Tochter, genauso wie man Sympathien für den Vater entwickelt, der nicht als stumpfer Trinker dargestellt wird, sondern als intelligenter Sonderling.

Letztendlich bekam zumindest die Mutter noch ihr «Glass Castle»: Mit den Einnahmen aus dem Verkauf ihres Buches baute Jeannette Walls ihrer Mutter ein Haus gleich neben ihrem eigenen. (Medientipp/Sarah Stutte)

«The Glass Castle», USA 2017, Regie: Destin Daniel Cretton, Besetzung: Brie Larson, Naomi Watts, Woody Harrelson; Verleih: Impuls.

Der Film läuft ab dem 3. Oktober in den Kinos.

Sarah Stutte ist Filmjournalistin.