Europäische Juden berichten von wachsenden Antisemitismus

Juden in Europa halten Antisemitismus in der Mehrheit für ein wachsendes Problem. Laut einer aktuellen Umfrage der Europäischen Grundrechte-Agentur sehen 66 Prozent der befragten Juden Antisemitismus als grosses Problem; für 76 Prozent hat sich die Situation in den vergangenen fünf Jahren in ihrem Land sogar verschärft.


 
«Antisemitismus ist ein verstörendes Beispiel dafür, wie Vorurteile über Jahrhunderte bestehen können», sagte Agentur-Direktor Morten Kjaerum bei der Vorstellung der Umfrage am 7. November in Wien.

Für den Bericht wurden mehr als 5’800 Juden im Alter über 16 Jahren in jenen EU-Ländern befragt, in denen zusammen 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung in der EU leben. Darunter fallen Grossbritannien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Italien, Lettland und Schweden.

21 Prozent der Befragten berichteten, sie hätten allein in den vergangenen zwölf Monaten antisemitische Äusserungen oder andere Belästigungen erfahren. Zwei Prozent seien in der Zeit Opfer eines gewaltsamen Übergriffs geworden. Der Grossteil dieser Angriffe wurde von den Betroffenen nicht gemeldet. Immer mehr Attacken im Internet

Als wachsenden Ort für antisemitische Attacken sehen drei von vier Befragten insbesondere das Internet. «Was als Informations- und Kommunikationsmittel gedacht ist, wird als Instrument für antisemitische Schikane genutzt», kritisierte Kjaerum.

Mit Blick auf die Umfrageergebnisse fordert die Grundrechte-Agentur die EU auf, antisemitische Übergriffe besser und umfangreicher zu dokumentieren. Darüber hinaus müsse sie das Problem antisemitischer Haltungen und Angriffe im Internet verstärkt bekämpfen.