ETH-Studie: Radikale Islamisten auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz leben aktive und gewaltbereite islamistische Extremisten. Eine Studie der ETH-Forschungsstelle für Sicherheit schätzt die Grösse dieser Gruppe auf «einige Dutzend Personen». Einige Tausend würden zudem mit Radikalen sympathisieren.


ETH-Forscher Lorenzo Vidino hatte keine Mühe, in der Schweiz fundamentale Islamisten zu finden. Sie sind im Internet sehr aktiv, wie aus der am 13. November veröffentlichten Studie «Dschihadistische Radikalisierung in der Schweiz» hervorgeht. Einige Islamisten posieren auch gerne mal mit dem Sturmgewehr der Schweizer Armee.

Bei seinen Nachforschungen stiess Vidino auf rund 50 Personen, die den Dschihad, den «Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen», aktiv unterstützen würden. Einige seien auch schon ins Ausland gereist, um Kontakte zu knüpfen, etwa nach Somalia, Jemen oder nach Pakistan. Intensive Kontakte gibt es auch zu Szenen in Deutschland und auf dem Balkan. Eine weit grössere Gruppe, einige tausend Personen, würden zudem in unterschiedlichem Masse mit Radikalen sympathisieren.

Kein Grund für Angst
Die Radikalisierung findet gemäss der Studie mehrheitlich in privaten Gebetsräumen oder in den wenigen konservativen Moscheen statt. «Die meisten Schweizer Moscheen lehnen Extremismus jedoch ab», hält Vidino in der Studie fest. Angst zu haben, hält Vidino jedoch nicht für notwendig. Verglichen mit ähnlich grossen Ländern wie etwa Belgien oder Dänemark sei die Szene in der Schweiz klein.

Dies liege vor allem daran, dass es hierzulande keine Moschee gebe, die radikales Gedankengut öffentlich verbreite. In anderen Ländern sei dies für die Entwicklung der Szene entscheidend gewesen. Zudem seien die meisten Muslime in der Schweiz gut integriert und hätten einen guten wirtschaftlichen und sozialen Standard. Dies mache sie widerstandsfähiger gegen extremistische Haltungen. Auch die politische Haltung der Schweiz hat gemäss Vidino einen grossen Einfluss: Wegen ihrer neutralen Aussenpolitik zieht die Schweiz den Zorn nicht auf sich wie etwa Grossbritannien.