Endzeitszenarien prägen Hetze im Namen des christlichen Glaubens

Die Evangelische Akademie zu Berlin untersucht mit dem Projekt «NetzTeufel» Hetze in sozialen Medien. Erste Zwischenergebnisse zeigen fünf «toxische Narrative» auf, welche die Endzeit beschwören.

Das Projekt «NetzTeufel» hat die Endzeit als zentrales Angstbild identifiziert, wenn online im Namen des christlichen Glaubens gehetzt wird. (Bild: Pixabay/cc0)

Internet-Hetze im Namen des christlichen Glaubens beruft sich laut Erkenntnissen eines Projekts der Evangelischen Akademie zu Berlin häufig auf Endzeitszenarien. «Wir werden bedroht – die Endzeit naht!», so oder ähnlich lasse sich das zentrale Angstbild beschreiben.

Die fünf am häufigsten wiederkehrenden Behauptungen liessen sich mit den Aussagen beschreiben: «Der Islam bedroht uns», «Homosexualität bedroht Gottes Ordnung», «Flüchtlinge unterwandern das Sozialsystem», «Der Genderwahnsinn ist reine Ideologie» und «Wir leben in einer Meinungsdiktatur». Zu diesem Befund kommt das Projekt «NetzTeufel» der Evangelischen Akademie zu Berlin, das am 16. Mai erste Zwischenergebnisse der im Oktober 2017 angelaufenen Untersuchungen veröffentlicht hat.

Vieles findet in den Kommentarspalten statt

Der Benennung dieser fünf «toxischen Narrative» lagen zunächst Analysen von Hassmails an zwei evangelische Bischöfe zugrunde. Anschliessend wurden drei Akteure identifiziert, auf die wiederholt Bezug genommen worden sei und deren Facebook-Seiten den Ausgangspunkt für die Analyse von Narrativen darstellte. Dabei handelt es sich um die Agentur idea, das Portal kath.net und die Vereinigung der «Christen in der AfD». Bei der Analyse konzentrierten sich die Projektmitarbeiter allerdings nicht auf Äusserungen dieser drei Akteure: Vieles finde in den Kommentarspalten statt, erklärte die Evangelische Akademie.

Dem Hass etwas entgegensetzen

Die Projektverantwortlichen erklärten, sogenannte Hate-Speech werde nicht immer offensichtlich formuliert. Häufig geschehe dies indirekt und unter dem Deckmantel scheinbar rationaler Argumentation.

«Die toxischen Narrative offenbaren tief verankerte menschenfeindliche Einstellungen und diskriminierende Positionen im Namen des christlichen Glaubens», sagte Projektleiter Timo Versemann. Sie müssten Anknüpfungspunkte sein für Kirche und Christen, dem Hass etwas entgegenzusetzen und Zivilcourage im Netz zu stärken. Entsprechende Ansätze sollten im weiteren Verlauf des Projekts erarbeitet werden.

Das Projekt «NetzTeufel» wird vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Bundesprogramms «Demokratie leben!» gefördert und von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt. (epd)