EKD-Ratspräsident: «Reformationsjubiläum soll ökumenisch und international sein»

«Was ist das Reformationsjubiläum? Wem gehört es? Warum sind alle hier zusammen in Zürich?» – das waren die Fragen, die Nikolaus Schneider, Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Dienstag, 7. Oktober, vor dem internationalen Kongress zum Reformationsjubiläum 2017 erörterte.


 «Das Reformationsjubiläum ist ein Ereignis von Weltrang», sagte Schneider. «Der 31. Oktober 1517 ist ein Symboldatum für die Wiederentdeckung der befreienden Kraft des Evangeliums. Wie feiern mit diesem Datum nicht den Geburtstag unserer evangelischen Kirche. Wir feiern, dass das Evangelium einen neuen Weg zu den Menschen gefunden hat.» Es gelte einerseits, an dieses Ereignis zu erinnern, das  «weit über Theologie und Kirche hinaus» für unter schiedliche Bereiche der Kultur relevant sei. Andererseits müssten die Erkenntnisse der Reformatoren so formuliert werden, «dass sie innerhalb und ausserhalb unserer Kirchen verstanden werden». Menschen seien immer noch «auf der Suche nach einem gnädigen Gott». Heute sei es  die «Spirale von Leistung und Effizienz», die den «Einspruch des Evangeliums» fordere.

Die Reformation habe aber je nach Zeitpunkt und Weltgegend verschiedene Gestalten angenommen. Deshalb gelte es jetzt, einander die jeweiligen «Geschichten der Reformation» zu erzählen. «Wir wollen in unserer Vielfältigkeit und Vielstimmigkeit nach gemeinsamen Formulierungen für den Kern des Reformationsereignisses suchen, das vor 500 Jahren von Zürich, Wittenberg und vielen anderen Orten ausging», sagte Schneider.

So hätten in Deutschland hätten alle Parteien im Bundestag beschlossen, das Jubiläum zu unterstützen, auch auf kommunaler und Länderebene gebe es Unterstützung. Auf diese Weise könnte eine Weltausstellung zur Reformation, Kirchentage und Fachtagungen finanziert werden.

Das Reformationsgedenken solle auch selbstkritische Blicke auf die «Schattenseite» der Reformation ermöglichen. Dazu werde eine konfessionsverbindende  Kommission zwischen EKD und römisch-katholischer Kirche geben, die unter dem Leitgedanken «Healing of Memories» die durch die Reformation verursachten Wunden zur Sprache bringe.

«Römisch-katholische, orthodoxe und freikirchliche Geschwister» seien zur Mitwirkung am Jubiläum eingeladen. Eine gemeinsame Versöhnungsfeier 2017 wäre «ein Zeichen für die Kraft des Evangeliums», sagte Schneider. «Wir sind nicht sicher, ob das gelingt, aber wir werden es ernsthaft versuchen.»