Ein Leben als Pfarrmann

Eine Videoserie macht Furore in der Romandie: «Ma femme est pasteure» ist auf 20minutes.ch aufgeschaltet und zeigt humorvoll das turbulente Leben eines Pfarrmannes. Dahinter stecken die Genfer Pfarrerin Carolina Costa und ihr Mann Victor. Matthias Böhni hat mit Carolina Costa gesprochen.

Carolina Costa und Victor Costa.
Das Leben als Pfarrerinnenmann ist nicht immer einfach: Carolina Costa und Victor Costa. (Bild: Screenshot «Ma femme est pasteur»)

Frau Costa, wie sind Sie auf die Idee zu dieser Serie gekommen?
Carolina Costa: Mein Mann ist katholischer Spanier, mit Religion hat er aber nicht viel zu tun. Wir haben uns in Paris an einer Musikschule kennengelernt. Als ich ihm sagte, dass ich nun Theologie studieren werde, war er geschockt, er fand es «très bizarre».

 

Und dann?
Daraus entwickelten wir die Idee: Ein Agnostiker lebt mit einer Pfarrerin zusammen. Das hat enorm komisches Potenzial. Die Figur des Pfarrerinnenmannes ist bewusst als kirchenferner Agnostiker gestaltet. Dadurch können sich auch Menschen mit keiner oder einer anderen Religion angesprochen fühlen. Wir haben ja bereits mit der Comedy-Serie «Bienvenue chez nous» Erfahrungen sammeln können. Dort haben Victor und ich die Erlebnisse eines bikulturellen Paares aufs Korn genommen. Die Serie ist in der Romandie sehr bekannt.

 

Werden Sie von den reformierten Kirchen unterstützt?
Ja, von den reformierten Kirchen von Genf, Neuenburg und Waadt. Sie waren sich erstaunlich schnell einig, dass sie das Projekt unterstützen.

 

Was erhoffen sich die Kirchen von der Serie?
Der Kommunikationsbeauftragte der reformierten Waadtländer Kirche, Paolo Mariani, war begeistert von der Idee, weil die Clips ein anderes Bild von Kirche zeigen. Also nicht verstaubt oder alt, sondern alltäglich und normal. Mir ist es auch wichtig, dass eine Pfarrerin ein ganz normaler Mensch ist, mit einem Alltag voller Widersprüche und alltäglichen, durchaus witzigen Problemen.

 

Haben Sie Reaktionen erhalten?
Der erste Clip auf 20minutes.ch wurde bereits über 50‘000 Mal gesehen. Für die Romandie ist das eine sehr hohe Zahl. Wir erhalten zahlreiche postive Feedbacks, auch aus dem frankofonen Ausland, und sehr viele Medienanfragen. Das hat mich persönlich überrascht. In früheren Projekten hatten wir nie so viele Reaktionen und Anfragen. Es zeigt: Religion interessiert die Menschen. Man muss einfach die richtige Form finden.

 

Sind Sie eigentlich Pfarrerin in einer Kirchgemeinde?
Nein, ich habe ein Mandat für die Genfer Kirche. Ich entwickle für sie neue Angebote für die Jungen, im Sinne der «fresh expressions of church». Ich habe dazu einen Glaubensparcours entwickelt, ähnlich wie «Alphalive», aber theologisch nicht so eng. Er heisst «Une question à la fois» und ist dieses Jahr gestartet.

Der erste Clip von «Ma femme est pasteur» ist hier zu sehen (auf Französisch). Der nächste wird am 4. März zu sehen sehen sein. Bis im Juli werden alle 14 Tage weitere zehn Episoden aufgeschaltet.

Weitere Informationen auf der Site mafemmeestpasteure.ch