Ein historisches Bekenntnis zur Ökumene

Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen unterzeichnete am Mittwoch in der Wittenberger Stadtkirche zwei historische Dokumente. Beide setzen ein starkes Zeichen für die Einheit der christlichen Kirchen.

Mit der Unterzeichnung der «Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre» in der Stadtkirche Wittenberg legte die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen ein klares Bekenntnis zur Ökumene ab.
Mit der Unterzeichnung der «Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre» in der Stadtkirche Wittenberg legte die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen ein klares Bekenntnis zur Ökumene ab. (Bild: WGRK)

Zur Stärkung des Zusammenhalts christlicher Kirchen hat die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) am Mittwoch in der Wittenberger Stadtkirche zwei Erklärungen unterzeichnet. Bei einem ökumenischen Festgottesdienst bekannten sich die Reformierten gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund zum «Wittenberger Zeugnis». Zudem traten sie der «Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre» bei.

«Das ist ein historischer Moment», sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Begrüssung. 500 Jahre nachdem der Mönch Martin Luther in Wittenberg die Reformationsbewegung und damit die Spaltung der abendländischen Christenheit angestossen habe, hätten die Christen verstanden, dass sie sich nicht mit dieser Trennung abfinden müssen. «In dieser Welt, die uneins ist, setzen wir ein Zeichen ökumenischer Einheit», sagte Bedford-Strohm.

«Einmalige Erneuerungschance»

Neben dem EKD-Ratsvorsitzenden und den Generalsekretären nahmen auch der Präsident der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, Jerry Pillay (Südafrika), Bischof Brian Farrell, Sekretär der Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen, und Jong Chun Park, Präsident des Weltrats Methodistischer Kirchen, an der Zeremonie teil.

In der Präambel des «Wittenberger Zeugnisses» heisst es, die Erklärung sei eine Reaktion «auf die einmalige Erneuerungschance, die sich im Jahr des 500. Reformationsjubiläums der Kirche bietet». Lutheraner und Reformierte verpflichten sich darin unter anderem zu einem grösseren Einsatz für eine gerechte und friedliche Welt. LWB-Generalsekretär Martin Junge unterschrieb für die weltweite lutherische Gemeinschaft von 145 Kirchen. Generalsekretär Chris Ferguson für die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, die mehr als 225 Kirchen zu ihren Mitgliedern zählt.

Ein Meilenstein der Ökumene

Die ebenfalls unterzeichnete «Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre» gilt als Meilenstein der christlichen Ökumene, in der sich Katholiken und Lutheraner am Reformationstag 1999 darauf einigen konnten, dass sie das Verständnis der Rechtfertigung aus Gottes Gnade durch den Glauben an Christus teilen. Später stimmten auch Methodisten und Anglikaner der Erklärung zu. Die Auslegung der Rechtfertigungslehre durch Martin Luther war einer der Auslöser der Kirchenspaltung im 16. Jahrhunderts. Bei dem Streit ging es um die Frage, wie das durch Sünde gestörte Verhältnis zwischen Mensch und Gott wieder in Ordnung kommt.

Die Generalversammlung der Reformierten tagt nur alle sieben Jahre und ist im Gedenksommer an das 500. Reformationsjubiläum die grösste evangelische Kirchentagung. In den beiden letzten Tagen der Generalversammlung beschäftigen sich die Reformierten mit der Wahl eines neuen Generalsekretärs und der Verabschiedung einer Erklärung zum Thema Weltgerechtigkeit. (epd)