Machtbewusster Bischof kann Pfarrer nicht einfach wegbefördern

Der katholische Bischof von Chur will einen Pfarrer, der ein lesbisches Paar segnete, von der Pfarrei abziehen. Nun sagt der für die Urschweiz zuständige Generalvikar Martin Kopp, dass dies nicht so einfach gehe.

Bischof Vitus Huonder will seinen «Hirtendienst» fortsetzen. (Bild: bischöfe.ch)

«Der Bischof hat rechtlich nicht die Handhabe, einen Pfarrer einfach wegzubefördern», zitiert das «Urner Wochenblatt» am 11. Februar Generalvikar Kopp. Auch wenn sich Pfarrer Wendelin Bucheli weigere zu demissionieren, könne ihm der Bischof von Chur nicht einfach so die Missio entziehen. Dem Pfarrer stünde zudem offen, an Rom zu appellieren. Ein Amtsenthebungsverfahren dauere in der Regel Jahre.

Kopp lobt Bucheli als «ausserordentlich guten, geschätzten und bewährten Pfarrer und Seelsorger», wie er zu einem früheren Zeitpunkt gegenüber dem Online-Portal kath.ch sagte. Daran habe er den Bischof mehrfach erinnert. Der für die Urschweiz zuständige Generalvikar hatte dabei erklärt, er sei in den Entscheid von Bischof Huonder, Wendelin Bucheli wegen der Segnung eines lesbischen Paares in sein Heimatbistum Freiburg-Lausanne-Genf zu versetzen, «in keiner Weise einbezogen worden».

«NZZ am Sonntag» von Bischof auserkoren

Kopp spricht gegenüber dem Urner Wochenblatt von einer «sehr speziellen Kommunikation», wenn Chur proaktiv ein ausgesuchtes Presseorgan kontaktiere, wie dies am vergangenen Wochenende der Fall gewesen sei, um sein Handeln der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die «NZZ am Sonntag» zitiere ausschliesslich den Sprecher des Bischofs von Chur mit den Worten aus dem Brief an den betroffenen Pfarrer, sagte Kopp am Donnerstag gegenüber kath.ch.

Kopp glaubt noch aus anderen Gründen, dass der Pfarrer von Bürglen nicht so rasch gehen wird: «Wenn man mit Urnern auf Konfrontationskurs geht, hat man keine Chance», sagte der Generalvikar gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF am 11. Februar.

Bischof stützt Bischof

Charles Morerod, Bischof von Freiburg, Lausanne und Genf, nahm in der Fernsehsendung ebenfalls Stellung. Mit der Segnung eines lesbischen Paares habe Bucheli das Kirchenrecht verletzt. «Das ist nicht das, was man normalerweise in der katholischen Kirche tut. Das sollte er wissen», so Morerod wörtlich gegenüber SRF über Bucheli.

Zwar könne er verstehen, dass ein Seelsorger versuche, allen zu helfen. Doch wenn man eine solche Segnung tolerieren würde, hätten jene Priester ein Problem, die sich weigerten, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Darum hätten Huonder und er Bucheli die Demission nahegelegt. Es sei normal, dass Priester nach ein paar Jahren versetzt würden. Morerod gibt aber dennoch zu, dass er nichts beschliessen könne, was ein anderes Bistum betreffe.

Derweil hat am Donnerstagnachmittag eine Online-Petition zur Unterstützung von Wendelin Bucheli die 10’000er Marke überschritten. (kath.ch)