Die friedliche Armee feiert Geburtstag – 150 Jahre Heilsarmee

In dunkelblauer Uniform und mit einem grossen, leuchtendes «H» am Revers: So kennt die halbe Welt die Soldaten und Soldatinnen der Heilsarmee.

150 Jahre nach der Gründung zählt die Heilsarmee über 1,5 Millionen Mitglieder in 126 Ländern. Im Bild: Achselschlaufen für Salutisten der Heilsarmee. (Bild: zVg/heilsarmee.ch)

In dunkelblauer Uniform und mit einem grossen, leuchtenden «H» am Revers: So kennt die halbe Welt die Soldaten und Soldatinnen der Heilsarmee. Nach militärischen Grundsätzen organisiert und mit einem ungebrochenen Willen zur Missionierung der Welt nimmt die methodistisch geprägte Freikirche einen Sonderplatz unter den Hilfsorganisationen der Welt ein – und wird oft auch etwas kritisch beäugt. Die Organisation wird am 2. Juli 150 Jahre alt. William Booth gründete sie im Jahr 1865 in London. Die Industrialisierung im East End hatte auch Elend gebracht: Viele Arbeiter lebten unter widrigen Bedingungen in Schmutz und Krankheit. Booth rief eine christliche Erweckungsgesellschaft ins Leben, aus ihr wurde später die «Salvation Army», die Heilsarmee. Er hatte erkannt, dass die wachsende Organisation eine Struktur brauchte, um zu funktionieren. Da nahm er sich das Militär zum Vorbild und nannte sich selbst General. Die Geistlichen der Freikirche sind bis heute «Offiziere».

Christlicher Glaube und Nächstenliebe

Booth stammte selbst aus ärmlichen Verhältnissen und kannte ein Leben im Elend. Seine Organisation machte es sich zur Aufgabe, der Unterschicht mit christlichem Glauben und sozialer Nächstenliebe zu helfen. Die Bandbreite der Hilfe wurde über die Jahre immer grösser und auch internationaler. So gibt es weltweit Obdachlosenfürsorge, Heime für Kinder, Schulen, Spitäler, Gefängnisfürsorge, Katastrophenhilfsdienste, Seelsorgearbeit, Personensuchdienste und auch Suchthilfe.

Umfangreiches Festprogramm

Nach eigenen Angaben zählt die Organisation mittlerweile über 1,5 Millionen Mitglieder in 126 Ländern. Eines aber blieb über die Jahre: Die strenge Ausrichtung an der Bibel. Rund 18’000 ihrer weltweit agierenden Heilssoldaten werden dieser Tage in London erwartet, wie Nigel Bovey sagt, Redaktor der englischen Ausgabe des Heilsarmee-Magazins. In der O2-Arena wird vom 1. bis zum 5. Juli der 150. Geburtstag der Organisation zelebriert. Während dieser Zeit finden zahlreiche Musicals, Konzerte, ein Filmfestival und Gebetstreffen statt. Als grosser Abschluss ist ein Umzug mit den Heilsarmee- Bands vom Buckingham Palace zum Trafalgar Square geplant.

Einsätze überall auf der Welt

Die Heilsarmee ist heute an vielen Orten der Welt, wo es brennt. Nach den schweren Überschwemmungen in Chile, Ecuador und Peru verteilten mehrere Divisionen Lebensmittel und Trinkwasser. Beim Erdbeben in Nepal waren die Salutisten mit Katastrophenhilfsdiensten zur Stelle. Notfallseelsorger der Heilsarmee standen auch am Düsseldorfer Flughafen bereit, als der Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen im März dieses Jahres bekannt wurde. Vorwurf der Homophobie Kritik an der Heilsarmee kam in der Vergangenheit unter anderem von Schwulen und Lesben. Sie warfen der christlichen Organisation Diskriminierung und Homophobie vor. Beispielsweise befanden sich auf der US-Website der Heilsarmee Links zu Seiten, auf denen eine «Heilung» von Homosexualität beworben wurde. 2012 stand die Heilsarmee in der Schweiz im Fokus. In einer Zürcher Behindertenwerkstatt wurde die Leiterin entlassen, weil sie eine lesbische Beziehung mit einer Mitarbeiterin hatte. 2013 distanzierte sich die Heilsarmee von den Vorwürfen und stellte heraus, dass sie jedem Menschen helfen wolle, frei von Geschlecht, Gruppenzugehörigkeit oder sexueller Orientierung. «Gott liebt jeden, ohne Ausnahme», sagt Nigel Bovey. (sda/dpa)