Deutsche Kirche für Anerkennung des Völkermords in Namibia

In einem Gedenkgottesdienst forderte die Auslandsbischöfin, dass der Genozid an den Herero und Nama anerkannt wird. Auch die Kirche trage eine Mitschuld.


Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, hat eine Anerkennung des «ersten Genozids des 20. Jahrhunderts» in den früheren deutschen Kolonialgebieten gefordert. In einem Gedenkgottesdienst am 29. August anlässlich der Rückgabe menschlicher Gebeine von Deutschland an Namibia sagte Bosse-Huber: «Wir wollen heute etwas tun, was schon seit vielen Jahrzehnten hätte getan werden müssen: nämlich die Gebeine der Opfer des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts an ihre rechtmässigen Nachfahren zurückgeben.» Gemeinsam müsse das Gedenken an die Opfer wachgehalten werden und für die Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama öffentlich eingetreten werden.

Schuldbekenntnis der Kirche

Das durch die deutsche Kolonialherrschaft begründete und danach fortwirkende Unrecht müsse überwunden werden, sagte Bosse-Huber. Die Bischöfin bekräftigte zudem das Schuldbekenntnis der Kirche. Durch theologische Rechtfertigung sei der Boden für die koloniale Herrschaft und den Tod tausender Angehöriger der namibischen Volksgruppen mit vorbereitet worden.

In einer gemeinsamen Predigt mit Bosse-Huber sagte der namibische Bischof Ernst Gamxamub: «Für viele scheint der Genozid zu einem unbedeutenden Ereignis geworden zu sein, aber für uns ist es ein historisches, denkwürdiges und dunkles Kapitel in unserem Kampf gegen Kolonialismus und ausländische Besatzung aus früheren Zeiten.»

Historiker sprechen von Völkermord

Der Gedenkgottesdienst fand anlässlich der ersten mit staatlichen Vertretern Deutschlands organisierten Rückgabe menschlicher Gebeine an Namibia statt. Bereits am 28. August hatte es in Berlin unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Totenwache und Gelegenheit für traditionelle Riten geben. Am 31. August sollen die Gebeine in Namibia bei einem Staatsakt in Empfang genommen werden.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes handelt es sich um 27 menschliche Überreste, die im Lauf der deutschen Kolonialzeit (1884-1915) aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika entwendet worden waren. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten deutsche Kolonialtruppen Aufstände der Volksgruppen Herero und Nama grausam niedergeschlagen. Schätzungen zufolge wurden bis zu 70’000 Menschen getötet. Historiker sprechen von Völkermord.

Am Rande der Rückgabe-Veranstaltungen in Berlin protestierten rund 50 Aktivisten und Vertreter von Herero- und Nama-Organisationen gegen das Vorgehen der Bundesregierung und der EKD. Sie forderten von der Bundesregierung Entschädigung und eine offizielle Entschuldigung für den Genozid an den Herero und Nama. (epd/pd)