Der «Blutmond» und das Ende der Zeiten

Die gestrige totale Mondfinsternis fiel mit dem jüdischen Passah-Fest zusammen und war die erste von insgesamt vier bis Ende 2015. Das hat in den USA zu einer regen Debatte über biblische Prophezeiungen geführt.


«Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Tage wird sich die Sonne verfinstern und der Mond seinen Schein nicht mehr geben…» (Mat 24,29) So erklärt Jesus seinen Jüngern die ersten Zeichen der Wiederkunft des Menschensohns. Ähnliche Bibelstellen finden sich im Markus-Evangelium, in der Apostelgeschichte und der Offenbarung sowie bei alttestamentlichen Propheten.

Am 15. April war es wieder einmal soweit: Die Mondfinsternis liess den kleinen Himmelskörper in rötliches Licht getaucht, als «Blutmond» erscheinen. Das Besondere an diesem Himmelsereignis: Es war nur der Beginn einer sogenannten Tetrade, einer Folge von vier Mondfinsternissen, die in diesem und im nächsten Jahr allesamt mit hohen jüdischen Feiertagen zusammenfallen werden. Im März 2015 kommt es ausserdem zu einer totalen Sonnenfinsternis.

Sind dies Zeichen für die anbrechende Endzeit? Der amerikanische TV-Evangelist John Hagee glaubt, dass die Vorgänge am Himmel auf ein «nahendes Ereignis von kosmischer Bedeutung» hinweisen. Er hat zu seiner Theorie ein Buch mit dem Titel «Four Blood Moons» geschrieben, das seit Wochen auf den US-Bestsellerlisten steht. Ursprünglich brachte Pastor Mark Biltz diese Sichtweise 2008 auf und legte sie in seinem Buch «Blood Moons» dar. Inzwischen haben sich auch Massenmedien wie USA Today und CNN der Frage angenommen.

Doch kritische Theologen betonen, dass solche biblischen Prophezeiungen sinnbildlich zu verstehen seien und Mondfinsternisse gar nicht derart selten vorkommen oder auf Feiertage des Mondkalenders fallen. Auch sind die Himmelsvorgänge von Israel aus gar nicht zu sehen. Und bibeltreue Christen müssten sich mit apokalyptischen Spekulationen sowieso zurückhalten, wenn sie den Worten Jesu glauben: «Jenen Tag aber und jene Stunde kennt niemand, die Engel im Himmel nicht, der Sohn nicht, nur der Vater.» (Mat 24,36)