Kathedrale Notre-Dame

Das Wunder von Paris erstrahlt in neuem Glanz

700 Millionen Euro kostete der Wiederaufbau bisher, rund 2000 Expertinnen und Experten waren beteiligt: Am Wochende wird die historische Kathedrale Notre-Dame im Rahmen einer vierstündigen Messe wiedereröffnet.
So präsentiert sich das Innere der Kathedrale nach dem Wiederaufbau. (Bild: Christophe Petit Tesson / Keystone).

Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am Abend des 7. Dezember die Kathedrale Notre-Dame de Paris feierlich wiedereröffnen. Am Sonntag, dem Tag Mariä Empfängnis, wird Erzbischof Ulrich eine vierstündige Messe feiern. Rund 2000 Gäste werden zur Wiedereröffnung von Notre-Dame erwartet, darunter Staatschefs und internationale Künstler. Auch Papst Franziskus wurde eingeladen, sagte aber ab.

Warum der Dachstuhl aus dem 13. Jahrhundert vor fünf Jahren plötzlich lichterloh brannte, ist nicht abschliessend geklärt. Zu dem Zeitpunkt fanden Restaurierungsarbeiten statt. Die Hypothesen reichen von einem Kurzschluss bis hin zu einer weggeworfenen Zigarette.

Ein Feuer im Dachstuhl richtete am 15. April 2019 verheerende Schäden an. (Bild: Ian Langsdon / Keystone)

Noch am Abend des Brandes hatte Macron seinen Landsleuten versprochen, Notre-Dame werde wieder aufgebaut, «und zwar schöner als zuvor». Sein zweites Versprechen, das alles in fünf Jahren schaffen zu wollen, erzeugte Skepsis. Die französische Tageszeitung «Libération» schrieb auf ihrer Titelseite: «Macron glaubt an Wunder». Weltweit spendeten die Menschen für den Wiederaufbau insgesamt mehr als 840 Millionen Euro.

Bisher hat der Wiederaufbau 700 Millionen Euro gekostet, 2000 Experten waren daran beteiligt. Neben Architekten und Zimmerleuten auch Steinmetze, Dachdecker, Restauratorinnen, Geophysiker, Statikerinnen. Rémi Fromont, Mitglied des verantwortlichen Architektentrios, hatte 2015 seine Abschlussarbeit über den Dachstuhl von Notre-Dame geschrieben. Ohne die von ihm akribisch zusammengetragenen Zeichnungen und Untersuchungen wäre ein Wiederaufbau wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

Bei den Restaurierungsarbeiten wurden insgesamt 42'000 Quadratmeter Naturstein von Schmutz und Russ gereinigt. (Bild: Christophe Petit Tesson / Keystone)

Die Restaurierungen werden zur offiziellen Wiedereröffnung nicht komplett abgeschlossen sein. Die Diözese gibt an, die Bauarbeiten an den Strebebögen würden noch vier bis fünf Jahre dauern, die Arbeiten am Platz rund um die Kathedrale noch mindestens drei.

Doch der Grossteil der Arbeiten wurde in nur fünfeinhalb Jahren – die noch dazu von Baustopps in der Corona-Pandemie unterbrochen wurden – tatsächlich erledigt. Das zerstörte Dach und das Balkenkonstrukt aus Holz wurden detailgetreu komplett neu aufgebaut. Im Inneren wurden die Farben der Wandgemälde aufgefrischt und die 2300 Statuen und 8000 Orgelpfeifen gereinigt. Im kommenden Jahr wird noch an der Fassade und der Sakristei gearbeitet, 2026 sollen neue Kirchenfenster installiert werden.

Präsident Emmanuel Macron und First Lady Brigitte Macron bestaunen die berühmte Dornenkrone Jesu im Reliquienschrein. (Bild: Christophe Petit Tesson / Keystone)

Für die Öffentlichkeit zugänglich ist die Kathedrale ab Montag. Mit 15 Millionen Besucherinnen und Besucher pro Jahr wird gerechnet, 12 Millionen waren es in dem Jahr vor dem Brand. (epd/ no)

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