Mit einer Verteilaktion an zehn grossen Bahnhöfen im Kanton St. Gallen startet am 21. Oktober die Kampagne. Lanciert wird sie vom Bistum St. Gallen und der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen. In der Pendlerzeit von sechs bis acht Uhr am Morgen verteilen die Mitarbeitenden Ohrpfropfen und Postkarten mit einem Spruch, zum Beispiel von Elias Canetti: «Immer wenn das Telefon nicht klingelt, weiss ich, es ist für mich.»
«Es soll eine unverbindliche Einladung an die Menschen sein», sagte Andreas Ackermann, Kommunikationsbeauftragter der reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, an der Medienorientierung am 16. Oktober in der Kirche St. Laurenzen. Das Angebot sei bewusst niederschwellig: einfach in die Kirche kommen, Platz nehmen und sich einen Moment der Stille gönnen.
An 86 Orten im ganzen Kanton St. Gallen sind ab dem 21. Oktober grosse Plakate aufgehängt. Diese zeigen Ohrpfropfen und Diamanten: Stille ist ein Luxus, ein rares Gut in unserer Gesellschaft. In Bussen und Bahnen wird ebenfalls auf die Kampagne aufmerksam gemacht. Verschiedene Kirchengemeinden führen Aktionen durch, wie zum Beispiel stille Gottesdienste oder gemeinsame Zeiten der Stille. Auf der Facebook-Seite können die Menschen Orte posten, die sie gut finden, um still zu werden.
Damian Kaeser, zuständig für die pastorale Entwicklung im Bistum St. Gallen, betonte, dass wir bewusst mit der Stille umgehen müssten: «Und das Schöne ist, dass die Kirchen diesen Luxus gratis anbieten können.»
Anlass für die Kampagne war ursprünglich der Wunsch von Dölf Weder, Kirchenratspräsident der reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, dass auch die evangelischen Kirchen offen sein sollten. Er habe es oft bedauert, bei seinen Velotouren nicht in evangelischen Kirchen beten zu können. In den katholischen Kirchen seien offene Türen üblich. In den letzten Jahren habe die reformierte St. Galler Kantonalkirche die Gemeinden dazu aufgefordert, ihre Türen zu öffnen, so Weder. Heute sei dies praktisch bei allen Kirchen in St. Gallen der Fall. So konnte auch die Kampagne realisiert werden. Für ihn stelle dies heute ein Freudentag dar, erklärte Weder weiter, vor allem auch weil die Kampagne ökumenisch sei.
Der reformierte Pfarrer Carl Boetschi zitierte aus dem Psalm 46: «Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin.» Er sagte, ihm würden viele Menschen begegnen, die neben sich stehen, dies aber nicht merkten, denn es sei für sie normal geworden. «Stille hilft dem Menschen, zu sich selber zu kommen. Sie holt ihn in der Gegenwart ab», meinte Boetschi. Die Stille biete die Möglichkeit, über das eigene Leben nachzudenken und sich wieder neu zu positionieren. Sie bringe einen Erkenntnisgewinn: nicht nur sich selber zu erkennen, sondern auch dem Grund aller Dinge, Gott, auf die Spur zu kommen.
Für mehr Informationen: www.stille-ist-luxus.ch