D: Verein will bei Sterbehilfeverbot in die Schweiz ausweichen

Der Gründer des Vereins Sterbehilfe Deutschland, Roger Kusch, rechnet damit, dass er dank dem Schweizer Ableger des Vereins ein mögliches Sterbehilfeverbot der neuen deutschen Regierung umgehen kann. Dank der Niederlassung in Zürich bleibe der Verein notfalls handlungsfähig, sagte Kusch gegenüber dem «Tages-Anzeiger» am 1. Oktober.


Der Zweig im Ausland sei eine politische Vorsichtsmassnahme, um auf dem «sicheren Terrain der Schweiz einen handlungsfähigen Verein» zu haben, falls die neue Regierung ein Sterbehilfeverbot durchsetzen sollte. Mit dem Ausscheiden der FDP habe das «Selbstbestimmungsrecht» im Bundesamt «keinen einzigen Fürsprecher mehr».

Die CDU habe im vergangenen Dezember einen Parteitagsbeschluss verabschiedet, der die Regierung auffordert, nicht die gewerbsmässige, «sondern überhaupt die organisierte Sterbehilfe zu verbieten», sagte Kusch. Man wolle damit die «katholischen Kreise» der Union besänftigen, die das Gefühl hätten, unter Merkel sei die Partei nach links gerückt.

Bei einem Verbot könnte der Verein problemlos von der Schweiz aus seine Mitglieder betreuen und gegebenenfalls nach Zürich bringen. Kusch erklärte gegenüber der Zeitung zudem, dass der Verein «psychisch Kranke» etwa von der Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas übernommen habe: «Wir lehnen Mitglieder nicht deshalb ab, weil sie zuvor erfolglos bei Dignitas angeklopft haben.»

Der Deutsche und der Schweizer Zweig des Vereins Sterbehilfe Deutschland haben gemeinsam 500 Mitglieder. Der Verein hat laut Kusch bisher rund hundert Menschen in den Freitod begleitet.