Christlicher TV-Clan plötzlich nicht mehr so clean

Bis vor kurzem war Josh Duggar der Star der TV-Serie «19 Kids and Counting», einer Sendung über das Leben einer christlichen Grossfamilie im ländlichen Arkansas. Ihr konservatives Programm propagiert die weibliche Unterordnung, voreheliche Enthaltsamkeit und Beschulung im Elternhaus. Der pausbäckige Josh, ältester Sohn der Duggars, verkörperte all dies. Nun hat er ein Problem - und das liegt in seiner Vergangenheit.

Die TV-Grossfamilie Duggers kämpft um ihren frommen Ruf. Der älteste Duggars-Sohn Josh (links neben dem Vater) bestätigte, Mädchen missbraucht zu haben. (Bild: TLC)

Dank seiner Berühmtheit erhielt der 27-Jährige einen Lobbyisten-Job beim streng konservativen «Family Research Council» (FRC), einer in evangelikalen Kreisen sehr einflussreichen Organisation. Und zwar nicht irgendeinen Job, sondern den des «Executive Director». In dieser Rolle protestierte Josh Duggar nicht gerade zimperlich gegen Abtreibung, «Homo-Ehe» und voreheliches Zusammenleben.

Das FRC hoffte, mit dem so tugendhaften Sohn einer Grossfamilie, die es fast nur noch in Heimatfilmen gibt, ein Aushängeschild für die Organisation in Washington zu haben. Auch republikanische Politiker fanden die Duggars attraktiv – nicht zuletzt weil der quergescheitelte Vater Jim Bob selbst als Senator im Oberhaus von Arkansas tätig war. Und die der Tea-Party-Bewegung nahestehende Michelle Bachmann empfing den Clan bei einem Ausflug nach Washington.

Realität holt Reality-TV ein

Doch seit den Enthüllungen des Regenbogen-Magazins «In Touch» hat sich das Blatt jäh gewendet. Josh ist seinen gut bezahlten Job los. Die Eltern bangen um die Fortsetzung der Reality-TV-Serie, und die Politiker suchen nach Auswegen aus einer prekären Lage. Was war passiert? Das Blatt veröffentlichte in der vergangenen Woche die Kopie eines 33 Seiten starken Polizeiberichts, der keine Ausreden gestattet. Josh hat sich als Teenager an mindestens fünf Mädchen vergangen. Schlimmer noch: Aus den Polizeiangaben geht auch hervor, dass er vier seiner Schwestern sexuell missbraucht hat.

Vater Jim Bob, Mutter Michelle, mehrere Freunde und ein Polizist aus dem Bundesstaat Arkansas, der später selbst in einem nicht verwandten Fall wegen Kinderpornografie zur Verantwortung gezogen wurde, wussten von den Vorfällen aus dem Jahr 2002, ohne sie gleich zu melden.

Ein ganzes Jahr lang behielten die Duggars ihr Wissen für sich. Dann machten sie den Fall aktenkundig – allerdings ohne rechtliche Konsequenzen für den damals 15-jährigen Josh. Die Eltern hatten die Vorfälle stark heruntergespielt und behauptet, ihr Sohn sei bereits in Beratung gewesen; so brachte der Polizist den Kindesmissbrauch nicht zur Anzeige.

Dem Ertappten blieb nun nicht viel anderes übrig als ein Geständnis. Er habe «Fehler» gemacht, erklärte Josh zur Begründung seines Rücktritts als Lobby-Direktor des FRC. Der Mann, der keine Gelegenheit ausliess, gegen Homosexuelle und Ehebrecher zu wettern, zeigte in seiner Erklärung viel Verständnis für sich selbst. Er habe die Betroffenen und Christus um Vergebung gebeten und sei sich sicher, dass der Herr ihn erhört habe.

Unglaubwürdige Erklärung

In der breiteren Öffentlichkeit kam dies allerdings als Selbstgerechtigkeit über. Kommentatoren fanden, Josh habe nichts mehr im Fernsehen verloren. Die Serie um die Kultfamilie gehöre abgesetzt. Der Sender TLC legte das Programm vorerst auf Eis; Werbesponsoren zogen sich zurück. Die Tage, an denen das vermeintliche Idyll der Duggar-Familie die Bildschirme belebte, könnten gezählt sein.

Nur wenige bleiben Josh treu, darunter der konservative Präsidentschaftskandidat Huckabee. Allerdings brachte er sich in ordentliche Erklärungsnot, als er erklärte, der inzwischen vierfache Vater sei ein «guter Mann», der als Teenager einfach «Fehler» begangen habe. (kath.ch)