Bund krempelt Zusammenarbeit mit NGO um

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes will den Wettbewerb unter Hilfsorganisationen fördern und die Vergabe der Gelder transparenter machen. Die christlichen Hilfswerke Brot für alle und Heks begrüssen die Änderungen.

Um den wachsenden Herausforderungen in der Armutsbekämpfung wirksam zu begegnen, müssten staatliche und nichtstaatliche Akteure enger zusammenarbeiten, hiess es an einer Medienorientierung seitens der Deza. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) will dank einer neu gestalteten Zusammenarbeit mit den Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGO) mehr Wirkung erzielen. Ein transparentes Vergabesystem mit neuen Obergrenzen soll für eine nachvollziehbare und faire Verteilung der Bundesbeiträge sorgen.

Ab 2021 werden die Beiträge an das internationale Programm einzelner NGO auf 30 Prozent limitiert, wie die Deza am 2. Juli vor den Medien bekannt gab. Dachorganisationen, kantonale Föderationen sowie NGO-Allianzen können maximal 40 Prozent ihrer internationalen Budgets vom Bund erhalten. Neu gilt zudem in jedem Fall eine Obergrenze von acht Millionen Franken pro Jahr und NGO beziehungsweise Dachorganisation oder kantonale Föderation. Das Gesamtvolumen der Programmbeiträge bleibe dabei aber unverändert, hält die Deza fest.

Engere Zusammenarbeit

Das Umfeld der internationalen Zusammenarbeit habe sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Um den wachsenden Herausforderungen in der Armutsbekämpfung sowie in Bezug auf Menschenrechte, Migration und Umwelt wirksam zu begegnen, müssten staatliche und nichtstaatliche Akteure enger zusammenarbeiten.

Vor diesem Hintergrund habe die Deza entschieden, ihre Zusammenarbeit mit Schweizer NGO strategisch anzupassen und darauf aufbauend das historisch gewachsene Vergabesystem für Programmbeiträge zu reformieren.

Wettbewerb und Innovation stärken

Das neue Vergabesystem soll dafür sorgen, dass der Wettbewerb und die Innovation gestärkt werden. Die Beiträge werden alle vier Jahre neu vergeben. Damit sollen nicht nur die bisherigen, sondern auch neue NGO Zugang zu Bundesgeldern erhalten, wenn sie für die internationale Zusammenarbeit der Schweiz einen Mehrwert erbringen.

Voraussetzung dafür ist, dass sie die festgelegten Qualitätskriterien bezüglich Betriebsführung, Rechenschaftslegung und Risikomanagement erfüllen sowie über das Zewo-Gütesiegel verfügen.

Die Deza setzt rund ein Drittel ihrer Mittel über NGO um. Dank Knowhow und Erfahrung trügen Schweizer NGO zum Erfolg der internationalen Zusammenarbeit bei. Ausserdem förderten sie den guten Ruf der Schweiz in der Welt und seien in der hiesigen Bevölkerung traditionell stark verankert.

Heks und Brot für alle begrüssen Änderungen

Bei den Schweizer Hilfswerken Brot für alle und dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) zeigt man sich mit den kommunizierten Änderungen zufrieden. «Ich finde es gut, dass die Deza bei der Zusammenarbeit mit NGO Klarheit schafft», sagt Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter von Brot für alle, auf Anfrage von ref.ch. Begrüssenswert sei auch, dass die Deza die Zusammenarbeit der NGO untereinander fördern möchte.

Heks-Mediensprecherin Bettina Filacanavo glaubt, dass das neue System tatsächlich zu einer besseren Transparenz führt. Für Heks sei die Deza wegen der Programmbeiträge sehr wichtig und man freue sich auf die weitere Zusammenarbeit mit dem Bund. Sowohl für Heks als auch Brot für alle habe das neue Vergabesystem keine finanziellen Konsequenzen.

Gegenwärtig leistet die Deza einen wesentlichen Beitrag an die internationalen Programme von gegen 40 Schweizer Hilfswerken, Dachverbänden und Föderationen. Dabei erhalten die zehn grössten Hilfswerke 73 Prozent des Gesamtbudgets für Programmbeiträge von 120 Millionen Franken pro Jahr. Die restlichen 27 Prozent verteilen sich auf rund 25 weitere Partnerorganisationen. (sda/bat)