Aus für die Neuenburger Theologische Fakultät

Am 31. Juli schliesst die protestantische Theologische Fakultät an der Universität Neuenburg. Ein dreitägiges Kolloquium markierte das Ende.

Die Universität Neuenburg.
Die Universität Neuenburg. (Bild: Wikimedia/Likasia)

«Zwischen Erinnern und Vergessen: Die Relevanz protestantischer Theologie» lautete der Titel der Veranstaltung, die vom 10. bis 12. Juni in Neuenburg stattfand. Mehr als hundert Interessierte nahmen daran teil. Während des Treffens waren die Gründe, die zur Schliessung führten, ein Thema.

Auf finanzielle Gründe führte der emeritierte Neuenburger Professor für Praktische Theologie, Pierre-Luigi Dubied, die Schliessung der Fakultät zurück. Ökonomische Argumente würden heute den gesamten Lehrbetrieb heimsuchen. Das ökonomische Argument sei erdrückend. «Wir sind Geiseln einer Welt, die jeden Horizont verloren hat», sagte Dubied, der von 1991 bis 1995 als Vize-Rektor der Universität wirkte.

Ihm widersprach der aktuelle Vize-Direktor der Universität, Jean-Jacques Aubert, Professor für Klassische Philologie und Alte Geschichte. Wirtschaftliche Argumente hätten auch eine Rolle gespielt. Diese seien aber nicht ausschlaggebend gewesen. «Wenn Geld fehlt, muss es anderswo gefunden werden», sagte Aubert vor den Kolloquiums-Teilnehmern. Er wies auf Vermächtnisse, Spenden und Gelder hin, welche die evangelisch-reformierte Kirche Neuenburg zur Verfügung stellen könnte.

Strategischer Entscheid

Für die Schliessung machte er vor allem einen strategischen Entscheid der Fakultät verantwortlich, den diese vor Jahren gefällt habe, als sie entschied, das Schwergewicht auf die Praktische Theologie zu legen. Dies habe nicht funktioniert. «Sehr wenige Studenten» interessierten sich für diese Ausbildung, so Aubert. Darum habe sich der Kanton für die Schliessung der Universität entschieden. Der einzige verbleibende Lehrstuhlinhaber werde an der Philosophischen Fakultät weiter unterrichten.

Andreas Dettwiler, Professor für Neues Testament in Genf, unterstrich am Kolloquium die dreifache Bedeutung, welche eine Theologische Fakultät in eine Universität einbringen kann. Sie erinnere daran, dass die Sinnfrage Teil des Menschseins ist. Sie kritisiere gegenüber den anderen wissenschaftlichen Disziplinen jede «reduktivistische Annäherung an die Wirklichkeit, die sich als äusserst vielfältig erweist». Sie hinterfrage zudem jede Wissenschaftsgläubigkeit, welche eine totalitäre wissenschaftliche Betrachtungsweise für sich beanspruche und alle anderen Sichtweisen ausschliesse. (cath.ch)