500 Jahre alte Landkarte mit Bibelszenen entdeckt

Im Archiv der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle ist ein einzigartiges Kartenfragment aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden. Es stammt aus der Werkstatt des niederländischen Künstlers Herman van Borculo.

Martin Scheuplein, Leiter der Kartensammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, mit dem einmaligen Fund. (Bilder: ©Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt/Maike Glöckner)

Die Karte zeige verschiedene Szenen und Orte aus der Bibel, wie die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am Dienstag mitteilte. Bislang seien weltweit nur zwei Teile des insgesamt zwölfteiligen Werks des niederländischen Künstlers Herman van Borculo bekannt gewesen, darunter eines in der British Library in London und eines in Privatbesitz. Mitarbeiter der Bibliothek in Halle fanden das Fragment bei Inventarisierungsarbeiten in der Kartensammlung.

Ausrichtung nach Osten

Die aus zwölf Blättern bestehende «Karte des Heiligen Landes» wurde wahrscheinlich um das Jahr 1540 angefertigt. Illustriert wurden wichtige Szenen und Orte der Bibel. «Solche fiktiven Karten wurden häufig eingesetzt, um Erzählungen zu illustrieren oder Pilgerreisen zu beschreiben», sagte der Leiter der Kartensammlung, Martin Scheuplein. Typisch für die damalige Zeit sei auch, dass die Karte zum Heiligen Land, also nach Osten, ausgerichtet sei.

Die auf der Karte gezeigten Menschen seien genauso gross wie die Orte dargestellt, auch die Entfernungen der Orte zueinander sei geografisch nicht korrekt. Das Kartenfragment ist etwa so gross wie ein A3-Papier und in historischem Niederländisch und Latein gehalten. (epd)

 

Detailreich: Auf der gefundenen Karte sind beispielsweise die Heilung eines Taubstummen durch Jesus oder die Erlegung des Drachens durch den Heiligen Georg dargestellt.