«Liebe Leserin, lieber Leser,
zunächst einmal möchten wir von der Redaktion der <Reformierten Presse> Ihnen von Herzen ein gesegnetes, erfolgreiches und glückliches 2015 wünschen!
Für unsere Zeitung wird dieses Jahr entscheidend sein. Wie Sie vielleicht wissen, ist die <Reformierte Presse> zu gut einem Drittel von den Landeskirchen über ihren Beitrag an die Reformierten Medien finanziert. In einigen dieser Kirchen wird das Geld aber immer knapper. Unsere wichtigsten Beitragszahler Bern-Jura-Solothurn und Zürich gehören dazu, sie müssen in den nächsten Jahren ein gewaltiges Sparprogramm bewältigen. Immer öfter ist zu hören, dass die <Reformierte Presse> eingestellt werden soll, weil die Kirchen sie sich nicht mehr leisten könnten. Und ein Print-Produkt sei im Online-Zeitalter sowieso nicht mehr zeitgemäss.
Letzten Juni wurde die Finanzierung der <Reformierten Presse> von der aus Vertretern der Landeskirchen bestehenden Generalversammlung der Reformierten Medien bis Ende 2015 bewilligt. Es laufen zwar Verhandlungen über ein Nachfolgeprodukt, etwa in Form einer überkantonalen Mitarbeiterzeitung, bis jetzt aber ohne greifbares Ergebnis.
Ein grosser Verlust
Wir verstehen, dass die Kirchen sparen müssen. Wir sind aber auch der Ansicht, dass der Wegfall der <Reformierten Presse> für die reformierte Deutschschweizer Kirchenlandschaft einen grossen Verlust bedeuten würde. Das Internet kann und wird in absehbarer Zukunft nicht vollständig das bedruckte Blatt ersetzen. Kein Printmedium hat bisher vollständig auf Online umgestellt, und das hat seine Gründe. Papier hat Vorteile, die der Bildschirm nicht hat, die beiden Kanäle können sich in fruchtbarer Weise ergänzen. Was den Inhalt angeht: Wir überwinden die Grenzen zwischen den Kantonalkirchen. Nur in der <Reformierten Presse> erhalten Sie Informationen und Hintergründe aus der ganzen Schweiz. Ausserdem fiele mit der <Reformierten Presse> das einzige Deutschschweizer kirchliche Medium weg, das eine weitgehend unabhängige Berichterstattung gewährleistet.
Konstruktive Kritik
Wir finden es wichtig, dass in der Kirche (und gerade in der reformierten Kirche) nicht nur Hofberichterstattung betrieben wird, sondern auch auf allfällige Missstände hingewiesen werden kann – nur konstruktive Kritik führt schliesslich zu Veränderungen. Und in welchem anderen Medium hätte zum Beispiel das Inserat der 200 Pfarrpersonen zu Gottfried Lochers Feminisierungsäusserung in der <Weltwoche> erscheinen können (RP 49/14)? Diesem Inserat ist es zu verdanken, dass jetzt ein Gespräch stattgefunden hat, und auch bei uns gab und gibt es eine sehr engagierte Diskussion zu diesem Thema.
Wir verstehen die <Reformierte Presse> als Medium, das die Kirche begleitet. Gerade in der gegenwärtigen Zeit des Umbruchs und der Verunsicherung kann diese Zeitung helfen, das Profil der Kirche zu schärfen, indem sie aktuelle Diskussionen abbildet und laufende Debatten und Standpunkte mitgestaltet.
Oder wie sehen Sie das, liebe Leserin, lieber Leser? Braucht es die <Reformierte Presse> in dieser Form weiterhin? Was ist Ihnen die <Reformierte Presse> wert? Ihre Meinung interessiert uns, schliesslich machen wir diese Zeitung für Sie. Wir sind gespannt auf Ihre Antworten per Mail (presse@ref.ch), Brief oder Telefon. Vielen Dank für Ihr Interesse und herzliche Grüsse
Ihre Redaktion»
Quelle: «Reformierte Presse» vom 9. Januar 2015