Vor allem in Syrien und dem Irak gingen wichtige Zeugnisse früher Zivilisationen verloren, beklagt die wissenschaftliche Leiterin der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Für viele Extremisten biete der Handel mit archäologischen Objekten und Kunstwerken eine lukrative Einnahmequelle. Aber auch die Zivilbevölkerung beteilige sich beispielsweise an Raubgrabungen. Für die von Krieg und Terror gepeinigten Menschen sei der Antikenhandel oft eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt an Geld zu kommen. Internationale Kontrollen und die Gesetzgebung etwa in Deutschland müssten verschärft werden, um einen kompletten Ausverkauf zu verhindern.
Sakrale Gebäude besonders betroffen
Besonders von Zerstörungen betroffen seien sakrale Gebäude, schreibt die Archäologin. Als Beispiele nennt sie die syrische Stadt Aleppo, deren «hethitische Funde ebenso wie die mittelalterliche Zitadelle, die byzantinischen Kirchen und mittelalterlichen Moscheen samt der Altstadt völlig zerstört» seien. Das wegen seiner Klostertradition bekannte syrische Dorf Maalula unweit Damaskus liege ebenso in Trümmern wie die Moschee von Nabi Younis im irakischen Mossul, die auf ein frühchristliches Kloster zurückgeht.
Radikalisierung aus Unbildung
Mitverantwortlich für die Zerstörungen macht van Ess das westliche Wirtschaftsembargo gegen den Irak in den 1990er-Jahren und die Irak-Kriege. In dem Zug sei die Bevölkerung verarmt und das Bildungswesen zusammengebrochen. Zugleich habe eine «Radikalisierung aus Unbildung» zugenommen. So habe die Universität Mossul kürzlich ihre geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer abgeschafft. (kipa)