Zweithöchster Katholik regt Debatte über Zölibat an

Der künftige vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin hält eine Debatte über die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern für möglich.

Pietro Parolin ist der künftige Regierungschef des Vatikanstaats. (Bild Wikimedia/Osservatore)

Der Zölibat sei kein Dogma der Kirche, und man könne darüber diskutieren, sagte Parolin laut der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera», die sich auf venezolanische Medienberichte beruft. Neben der Treue zum Willen Gottes und zur Geschichte der Kirche sei «Offenheit für die Zeichen der Zeit» nötig. Dazu gehöre auch der Priestermangel, so Parolin.

Der aus Italien stammende 58 Jahre alte Kirchendiplomat tritt am 15. Oktober das Amt des Kardinalstaatssekretärs an, den zweithöchsten Posten in der katholischen Kirche. Seit 2009 war Parolin Botschafter des Papstes in Venezuela. Künftig ist er als ranghöchster Mitarbeiter von Papst Franziskus für die Koordination der Kurie, also der kirchlichen Behörden im Vatikan, sowie für die vatikanische Diplomatie zuständig.

Parolin sagte mit Blick auf den Zölibat, man könne über solche Themen reden und «über einige Änderungen nachdenken». Dies müsse aber «im Dienst der Einheit und gemäss dem Willen Gottes» geschehen. Die priesterliche Ehelosigkeit sei eine Tradition, die in die ersten Jahrhunderte zurückreiche. Man könne nicht einfach sagen, dass sie überholt sei, so der Erzbischof.