Die Ja-Parole für die Abstimmung vom 18. Mai wurde am Donnerstagabend in Zürich mit 59 gegen 49 Stimmen gefasst. Die Haltung der FDP zur Initiative ihrer eigenen Jungpartei war gespalten. Die Befürworter wollten die Unternehmen aus Prinzip von der Kirchensteuer befreien. Da juristische Personen nicht Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein könnten, dürften sie auch nicht verpflichtet werden, solche Gemeinschaften zu finanzieren, wurde argumentiert.
Die Gegner gewichteten die negativen Auswirkungen bei einem Ja zur Initiative höher. Wenn die Kirchen die zahlreichen sozialen Dienstleistungen wegen Geldmangels nicht mehr übernehmen könnten, müsse nur wieder der Staat einspringen.
Die Parolenfassung zur Kirchensteuer-Vorlage war ursprünglich für die Delegiertenversammlung vom 6. März vorgesehen. Die Versammlung musste damals jedoch wegen eines medizinischen Notfalls vorzeitig beendet werden. Der langjährige Geschäftsführer der Stadtzürcher FDP und ehemalige Gemeinderatspräsident Jean E. Bollier hatte eine Herzattacke erlitten und war zusammengebrochen.