«Das Ergebnis ist eine Massenflucht der Muslime von historischen Ausmassen», hiess es in einem am 12. Februar veröffentlichten Bericht der Organisation. «Die Dringlichkeit der Situation erfordert ein sofortiges Eingreifen», betonte Amnesty-Expertin Joanne Mariner. «Es ist höchste Zeit, dass die Friedensmission in Zentralafrika die Zivilbevölkerung beschützt, Truppen in die betroffenen Gebiete entsendet und dem Exodus ein Ende bereitet.»
In dem bitterarmen Land sind bereits über 4000 afrikanische und 1600 französische Blauhelmsoldaten im Einsatz. Die EU will sobald wie möglich weitere 500 Soldaten schicken.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte aber von der Europäischen Union mehr Einsatz. Die internationale Reaktion auf die Krise sei dem Ernst der Lage nicht angemessen, sagte Ban in New York. «Ich fordere andere bereitwillige (EU-) Mitgliedstaaten auf, ebenfalls einen Beitrag zu leisten», sagte Ban. Die Gewalt zwischen Christen und Muslime nehme zu und könne sich zu einem Völkermord entwickeln.
Staat am Boden
Das mehrheitlich christliche Land versinkt im Chaos, seit muslimische Seleka-Rebellen im März vergangenen Jahres Präsident François Bozizé gestürzt und die Macht an sich gerissen hatten. 15 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.
Mittlerweile lebten 800’000 Menschen als Vertriebene im eigenen Land, sagte der örtliche Vertreter des Kinderhilfswerks UNICEF, Souleymane Diabate, der Nachrichtenagentur dpa. Bei drei Vierteln von ihnen handle es sich um Frauen und Kinder.
«Der Staat ist völlig zusammengebrochen: Handel und Landwirtschaft liegen brach, und die meisten Gesundheitszentren sind zerstört», erklärte Diabate. Die Schulen seien seit Monaten geschlossen, so dass Kinder von den bewaffneten Gruppen rekrutiert würden. «Jeden Tag sterben hier Menschen, das ist schon fast zur Normalität geworden.»
Amnesty hatte im Nordwesten des Landes, wo es die schwerste Gewalt gibt, mit mehr als 100 Augenzeugen gesprochen. Die bisher brutalste Attacke habe sich am 18. Januar ereignet, als Christen in dem Ort Bossemptele mehr als 100 Muslime getötet hätten.