Luther sah die Ehe als ein «weltlich Ding»
Gottesfürchtige Frauen sind in dieser traditionalistischen Sicht entweder Ehefrauen und Mütter oder Nonnen. Dabei haben beide Lebensformen etwas gemeinsam: die strikte Ablehnung der nicht-
ehelichen Sexualität. Dass Millionen von Frauen
und Männer auf Sex verzichten sollen, solange
kein Trauschein vorliegt, erkennen allerdings selbst traditionstreue Katholiken und «bibeltreue» Protestanten als Dilemma an. Wilfried Härle, emeritier
ter Theologieprofessor aus Heidelberg, sagt in
des, dass unser Verständnis von Ehe in der Bibel nicht vorkomme. Auch nach Luther sei die Ehe
ein «weltlich Ding». Härle plädiert damit gegen die Überhöhung der Ehe zu einem göttlichen Sakrament – wohl wissend, dass die prominentesten Religionsstifter des Christentums, Jesus und Paulus, weder geheiratet noch eine Familie gegründet haben.
«Sünder» unter frommen Christen
Die SWR-Sendung zeigt zudem, dass fromme Christen und Christinnen auch unter den «Sündern» zu finden sind. Almut etwa bricht mit ihrem pietistischen Elternhaus, wird ledig Mutter, trennt sich vom Kindsvater. Christian ist geschieden und hat zwei Kinder von zwei Frauen. Almut und Christian heiraten, haben ein gemeinsames Kind. Ihre vorherigen gescheiterten Beziehungen haben bei beiden Schuldgefühle hervorgerufen: Immer wieder glauben sie, sich rechtfertigen zu müssen. In der katholischen Kirche wären Almut und Christan nicht nur nicht getraut worden. Sie dürften auch nicht
an der Eucharistiefeier teilnehmen.