Von Assad vertrieben, von Rebellen entführt?

Der prominente italienische Jesuitenpater Paolo Dall'Oglio soll unbestätigten Berichten zufolge in Nordsyrien von islamistischen Milizionären entführt worden sein.


Dall’Oglio war in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden, weil er das uralte syrische Kloster Der Mar Musa al-Habashi wieder zum Leben erweckte. Allerdings hatten ihn die Behörden von Präsident Baschar al-Assad im Sommer 2012 des Landes verwiesen.

Seither reiste er immer wieder in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in Nordsyrien ein. Die Entführung Dall’Oglios soll sich in der Provinzhauptstadt Rakka ereignet haben, die seit Monaten völlig unter der Kontrolle islamistischer Milizen steht. Am 31. Juli sind es 100 Tage her, dass die beiden Aleppiner Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi (griechisch-orthodox) entführt wurden.

Der Apostolische Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari, zeigte sich von der Nachricht überrascht, denn Pater Dall’Oglio sei bei der «Free Syrian Army» bekannt gewesen, er sei «respektiert» worden. Möglicherweise handle es sich bei den Berichten über die Entführung um Falschmeldungen.

Der 58-jährige Jesuitenpater Dall’Oglio hatte 1982 mit der Revitalisierung des aus der Spätantike stammenden Klosters Der Mar Musa al-Habashi begonnen. Die Klostergemeinschaft bemühte sich von Anfang an um das Gespräch mit dialogbereiten Strömungen im Islam. Der Mar Musa wurde so zu einem Brennpunkt des spirituellen christlich-islamischen Dialogs. Die wahrscheinliche Entführung des weit über die Grenzen Syriens und Italiens hinaus prominenten Jesuiten hat international Bestürzung hervorgerufen.