Italien

Sea-Watch fordert Politik heraus

Die Rettungsorganisation Sea-Watch erwirbt ein weiteres Schiff für den Einsatz im Mittelmeer. Dies sei eine «Kampfansage» an die Kriminalisierung der Seenotrettung.

Der Rechtsruck bei den Parlamentswahlen in Italien am Sonntag zeichne ein dystopisches Bild für die zivile Seenotrettung, erklärte die Organisation Sea-Watch am Montag. Der Wahlkampf des Bündnisses um die rechtsextreme Giorgia Meloni sei auf die Beschränkung von Migration ausgerichtet gewesen. «Der Kriminalisierung von Migration und Seenotrettung durch einen Parteizusammenschluss mit neofaschistischen Wurzeln setzen wir diametrale Werte entgegen», sagte Sea-Watch-Vorstand Johannes Bayer.

Die Rettungsorganisation hat aus diesem Grund den Kauf eines neuen Schiffes angekündigt. Dies sei eine Kampfansage, heisst es. Das Schiff wird laut Angaben «Sea-Watch 5» heissen und ist mit 58 Metern Länge und einem Alter von zwölf Jahren grösser und effizienter als die bisherigen Schiffe der Organisation. Das andere Schiff, das Sea-Watch derzeit betreibt, die «Sea-Watch 3», wurde Mitte vergangener Woche von den italienischen Behörden festgesetzt. Trotz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs, das willkürliche Hafenstaatkontrollen verbiete, werde das Schiff unter der wiederkehrenden fadenscheinigen Begründung, zu viele Menschen gerettet zu haben, blockiert.

Die «Sea-Watch 5» könne noch mehr Gerettete aufnehmen, und sie könnten dort zudem besser versorgt werden. Mit seinem technisch einwandfreien Zustand sei es ausserdem besser gerüstet gegen Kriminalisierungs- und Abschreckungsversuche. In den kommenden Monaten werde es für den ersten Einsatz umgebaut und vorbereitet. Für die Finanzierung des neuen Schiffes werde Sea-Watch von zahlreichen Privatpersonen unterstützt sowie durch das Bündnis United4Rescue, das massgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert wurde.

Die ersten beiden Schiffe von Sea-Watch sind nicht mehr in Betrieb. Die «Sea-Watch 4» ging an die Rettungsorganisation SOS Humanity über und ist nun als «Humanity1» im Einsatz. (epd/no)