Russland: Prominenter Priester und Kirchenkritiker erstochen

Der russisch-orthodoxe Priester und Kirchenkritiker Pawel Adelgejm ist in der Grossstadt Pskow im Nordwesten Russlands von einem 27-Jährigen erstochen worden. Das Motiv ist unklar.


Der tatverdächtige Mann habe sich kurz vor der Festnahme mit Messerstichen selbst schwer verletzt, meldete die Agentur Interfax am 5. August. Er schwebe in Lebensgefahr.

Der 75-jährige Adelgejm hatte unter anderem den Prozess gegen die Frauen- Punkband Pussy Riot scharf kritisiert und sich damit gegen die eigene Kirchenführung gestellt.

Er rief zudem die Gläubigen auf, homosexuelle Partnerschaften zu tolerieren statt zu bekämpfen. «Die russisch-orthodoxe Kirche lässt solche Ehen zwar nicht zu, aber rechtlich gesehen darf der Staat die Basis dafür schaffen», hatte Adelgejm betont. Mit der Politik des als kremlnah geltenden Patriarchen sei er «nicht einverstanden».

Adelgejm sass in der Sowjetzeit als Dissident auch in Haft. Ein prominenter Geistlicher bezeichnete den Tod Adelgejms als schweren Verlust für die russisch-orthodoxe Kirche. «Er war der letzte freie Priester des Moskauer Patriarchats», sagte Erzdiakon Kurajew, der ebenfalls als interner Kirchenkritiker gilt.