Rücktritt Bischof Tebartz-van-Elst: Vom Scheitern eines Hoffnungsträgers

Nach sechs Jahren und zwei Monaten im Amt verlässt Deutschlands umstrittenster Kirchenmann Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Bischofssitz. Für viele Gläubige und Beobachter ist das ein längst überfälliger Schritt.


Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist von seinem Amt zurückgetreten. Wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte, nahm Papst Franziskus den Rücktritt an. Zum Apostolischen Administrator in Limburg wurde Manfred Grothe ernannt.

Schon im Oktober 2013, als sich die Verschwendungsvorwürfe gegen Tebartz-van Elst und die Kritik an seinem Führungsstil zum Skandal ausweiteten, sahen Gegner keine andere Möglichkeit für den 54-Jährigen. Zu beschädigt sei das Amt, zu gross der Vertrauensverlust. Dabei fing es für den Kleriker zunächst gut an in der Limburger Diözese mit ihren etwa 645’000 Katholiken in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz.

Bei seiner Amtseinführung im Januar 2008 war Tebartz-van Elst 48 Jahre alt und damit jüngster Diözesanbischof Deutschlands. Prompt wurde er als Hoffnungsträger für die alternde Kirche gefeiert. Die Kirchenwelt würdigte den Spross einer Bauernfamilie aus dem Wallfahrtsort Kevelaer als «klugen, präzise denkenden Theologen». Er sei ein «Mann von Kompetenz», der die Seelsorge im Blick behalte. Gläubige schwärmten: «Wir reisen ihm immer hinterher, wir sind richtige Fans, er predigt so gut.» Die Töne werden bald verhaltener, dann scharf. Von «autoritärem Führungsstil» ist nun die Rede, am Ende klebt der Titel «Protz-Bischof» an Tebartz-van Elst.

Klassische Familie als «Keimzelle»
Tebartz-van Elst wird am 20. November 1959 als zweites von fünf Kindern geboren. Er studiert, promoviert, habilitiert. 2002 wird er Professor für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft in Passau, ein Jahr später ist er Weihbischof in Münster, 2008 dann Bischof von Limburg. Eine schnelle Karriere. Tebartz-van Elst gilt als konservativer Kirchenvertreter und standesbewusst. Als Leiter der Ehe- und Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz bezieht er klar Position gegen eingetragene Lebenspartnerschaften. Die klassische Familie ist für ihn «die Keimzelle in Kirche und Staat».

Skandal erfasst ganze Kirche
So führt er einen neuen Stil im Bistum Limburg ein – und der kollidiert mit den liberalen Vorstellungen des Kirchenvolks. Kaum verwunderlich: Fast 25 Jahre lang war es an Bischof Franz Kamphaus gewöhnt. Der beliebte Oberhirte hütete seine Schäfchen gerne auch mal unkonventionell. Und er galt als bescheiden. Nachfolger Tebartz-van Elst dagegen fliegt in der Ersten Klasse nach Indien, lässt für mindestens 31 Millionen Euro den neuen Bischofssitz bauen und macht falsche Angaben zu seinem Indienflug. Die immer länger werdende Liste der Vorwürfe – sie reichen bis hin zur Verschleierung – macht aus dem «Fall Tebartz» einen Skandal, den die gesamte katholische Kirche erfasst. Der Bischof schafft es nicht, seine Kritiker zu beruhigen, auch wenn er Fehler einräumt. «In der Rückschau wird manches viel klarer und man weiss, was man nicht noch mal wieder so tun würde», sagt er in einem Interview. Gegen Prunk-Vorwürfe wehrt er sich aber. Im Oktober 2013, kurz bevor ihm der Papst wegen der Querelen eine Auszeit verordnet, sagt Tebartz-van Elst: «Wer mich kennt, weiss, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche.» Und er fordert, das Untersuchungsergebnis zur Kostenexplosion auf dem Domberg abzuwarten, «bevor man den Stab über mich bricht».

Die zuständige Kommission der Deutschen Bischofskonferenz arbeitet monatelang an dem Bericht. Das Ergebnis bleibt zunächst aber unter Verschluss. Auch angesichts des riesigen Medienrummels um seine Person zieht sich der Bischof immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Fünf Monate lang währt seine Auszeit, bis Papst Franziskus endgültig über die Zukunft von Tebartz-van Elst entscheidet. Wie es jetzt für ihn weitergeht, ist noch unklar.