Reformierte Kirche des Kantons St.Gallen distanziert sich von Homophobie

Wegen umstrittener Bibel-Zitate zur Homosexualität sorgte der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ) für Negativschlagzeilen. Nun distanziert sich die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen von der Diskriminierung von Homosexuellen. Und will das Gespräch mit dem BESJ suchen.

Trotz den jüngsten Homophobie-Vorwürfen gegen den Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ) will sich der St. Galler Kirchenrat weiter für den Jugendverband einsetzen. (Bild: BESJ)

Der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen hat sich in einer Medienmitteilung vom 29. Juni deutlich von den Bibelzitaten distanziert, die der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ) auf seiner Website zur Homosexualität publiziert hatte.

Bibelzitate müssen in Kontext gesetzt werden

«Es geht nicht an, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden», heisst es in der Mitteilung.  «Zudem vertritt der Kirchenrat die Ansicht, dass Bibelzitate einer historischen oder kontextuellen Einordnung bedürfen – also nicht einfach unkommentiert gewissen Themen zugeordnet werden können.»

Um die Haltung der St. Galler Kirche nochmals deutlich zu machen, suche der Kirchenrat nun das Gespräch mit Vertretern des BESJ.

Keine Gelder mehr vom Bund

Die Negativschlagzeilen rund um den BESJ kommen zu einem delikaten Zeitpunkt. Denn am 21. März hatte das Bundesamt für Sport (Baspo) neun christlichen Verbänden eröffnet, dass sie ab 2018 keine J+S-Leiter mehr ausbilden und keine Lager mehr unter dem J+S-Label durchführen dürfen. Es gehe den Verbänden primär um die religiöse Mission, begründete das Baspo seinen Entscheid. Auch der BESJ gehört zu diesen Verbänden.

Der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen betont, dass er trotz der Kritik am BESJ eine von der St. Galler Synode verabschiedete Resolution unterstütze, die verlangt, dass der Kirchenrat sich beim Baspo dafür einsetzt, dass gewisse christliche Jugendverbände weiterhin J+S-Gelder erhalten.

Neuer Dachverband und neue Vereine

Auch die christlichen Jugendverbände selber haben Massnahmen beschlossen, um auch in Zukunft Sportfördergelder zu bekommen. So haben sie eine fünfköpfige Arbeitsgruppe aus Vertretern der Deutsch- und Westschweiz gebildet, welche in Zusammenarbeit mit dem Baspo und dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) konkrete Lösungen ausarbeitet. Dies teilte die Schweizerische Evangelische Allianz am 29. Juni mit.

So soll ein Dachverband als zukünftiger Ansprechpartner für J+S gegründet werden. Weiter formieren sich die Verbände neu als Vereine, um weiter J+S-Lager durchführen zu können. Der Grund für diesen Entscheid: Die Vereinsform sei wichtig, weil es einen klaren Rahmen gebe, wenn es beispielsweise um Verantwortlichkeiten bei Unfällen oder bei Auszahlungen der Subventionen geh, sagte Christoph Lauener, Leiter Kommunikation des Baspo, gemäss der Schweizerischen Depeschenagentur sda.