Predigtpreis: Krimi, ziviler Ungehorsam und ein Zapfenzieher

Der Schweizer Predigtpreis 2017 geht an den reformierten Pfarrer Philipp Roth, den Waldenser Alessandro Esposito und den katholischen Pfarrer Erich Häring.


Die Gewinnerpredigten des Schweizer Predigtpreises zeigten die Kreativität der Predigtkultur, zu der die Schweizer Reformation beigetragen habe, schreibt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) in einer Mitteilung vom 17. Oktober. Drei Gewinner teilen sich den Predigtpreis, der insgesamt mit 3000 Franken dotiert ist.

Predigt ist nicht gleich Predigt

Der reformierte Pfarrer Philipp Roth aus Basel gewann mit einer Predigt für einen «Krimi-Gottesdienst». Darin erzählte Roth die Geschichte des Kriegshelden Jiphtach und seiner Tochter.

Mit einer Predigt über zivilen Ungehorsam überzeugte der Italiener Alessandro Esposito Jury. Der Waldenser-Pfarrer predigte über hebräische Hebammen und Solidarität mit Flüchtlingen. Er deutete den zivilen Ungehorsam als Ausdruck der Liebe Gottes zum Leben.

Der dritte Gewinner aus dem Thurgau, der katholische Pfarrer Erich Häring, habe die Jury mit einer witzigen, tiefsinnigen Predigt über einen Zapfenzieher und ein Schaf überzeugt. Insgesamt seien 172 Predigten eingereicht worden.

Die Jury las die Predigten «blind»

2014 vergab der Kirchenbund den Predigtpreis zum ersten Mal. Die  Gewinnerinnen waren allesamt weiblich. Dass die Gewinner dieses Jahr alle männlich sind, sei Zufall. Die Jury habe keine Geschlechterquoten angestrebt, betonen die Juroren Caroline Schröder Field und Jean-Luc Blonde in der Medienmitteilung des Kirchenbundes. Die Predigten seien anonymisiert beurteilt worden.

Die Preisverleihung findet zusammen mit einer Buchvernissage am 6. November an der Abgeordnetenversammlung des SEK in Bern statt. Im Buch werden die drei Sieger  und zehn weitere Predigten publiziert: Brigitte Becker Linder (BE), Judith Engeler (TG), Ralph Kunz (ZH), Alain Monnard (VD), Sabine Müller Jahn (BE), Markus Perrenoud (BL), Jean-François Ramelet (VD), Christine Sieber-Feitknecht (BE), Antoine Schluchter (VD) und Markus Zürcher (BE).