Papst: «Der Hof ist die Lepra des Papsttums»

Papst Franziskus setzt grosse Hoffnungen in eine Kommission aus acht Kardinälen, die ab 1. Oktober mit ihm die Kurie reformieren soll. «Es handle sich dabei keineswegs um Höflinge, sondern um weise Menschen, die seine Gefühle teilten», sagte der Papst.


«Das ist der Beginn einer Kirche, die nicht nur eine hierarchische Organisation ist, sondern auch horizontal strukturiert ist», sagte Franziskus in einem Interview mit der römischen Tageszeitung «La Repubblica» am 1. Oktober. «Die Führer der Kirche waren oft narzisstisch, von Höflingen umschmeichelt und zum Üblen angestachelt. Der Hof ist die Lepra des Papsttums», so Franziskus.

Franziskus setzt auch auf Kontakt zu den Medien. Er hatte in einem Mitte September veröffentlichten Brief auf Fragen über den Glauben geantwortet, die ihm vom italienischen Starkommentator Eugenio Scalfari, Gründer und ehemaliger Chefredaktor von «La Repubblica», gestellt worden waren.

Später hatte der Heilige Vater ein exklusives Interview mit Jesuitenzeitschriften in mehreren Sprachen gegeben. Franziskus forderte darin eine Kirche, die mehr auf Barmherzigkeit als auf die strikte Einhaltung von Glaubensvorschriften setzt. Der Beichtstuhl dürfe kein Folterinstrument sein.

Beobachter werteten das in den Jesuitenzeitschriften erschienene Interview als Arbeitsauftrag für die Gruppe aus acht Kardinälen, die am 1. Oktober in Rom zu ihrer ersten Sitzung zusammentrat. Franziskus hatte die Bildung der Kardinalsgruppe wenige Woche nach seiner im März dieses Jahres erfolgten Wahl bekanntgegeben. Dieser ist vom Papst beauftragt, ihm persönlich Reformvorschläge für die Kurie und die Kirche vorzulegen. Zunächst soll der Rat bis 3. Oktober tagen, weitere Zusammenkünfte in der nächsten Zeit sind geplant.

Auch Vatikanbank wird transparenter
Im Rahmen des päpstlichen Bemühens um mehr Offenheit und Transparenz hat am 1. Oktober auch die seit Jahren von Skandalen geplagte Vatikanbank IOR erstmals einen Rechenschaftsbericht vorgelegt. Ihren Angaben zufolge hat die Bank 2012 einen Gewinn von 86,6 Millionen Euro erzielt – und ihn damit im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Die Bank ist seit langem wegen ihrer Intransparenz und zahlreicher Intrigen in der Kritik. Im Juni setzte Papst Franziskus im Zuge der allgemeinen Reform des Vatikans eine Kommission ein, die das Verhalten der Bank untersuchen und Vorschläge für Reformen vorlegen soll.

Unmittelbarer Anlass waren Ermittlungen der italienischen Behörden wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Ihr Generaldirektor Paolo Cipriani und sein Stellvertreter Massimo Tulli, die persönlich im Visier der Justiz standen, mussten Anfang Juli von ihren Posten zurücktreten.