«Pac-Man Championship Edition DX+» – Ein digitales Stück Volksglaube

Der gelbe Pillenesser aus Japan ist zurück - und mit ihm die Geister, die ihn jagen. Sie sind überall, ganz wie es dem japanischen Volksglauben entspricht.


Er ist ein Methusalem unter den Games: 1980 erschienen die ersten Arcade-Automaten mit «Pac-Man». Die Spieler steuern eine runde gelbe Figur durch ein Labyrinth, in welchem Punkte ausgestreut sind und vier Geister ihr Unwesen treiben. Pac-Man muss die Punkte sammeln und den Geistern ausweichen – es sei denn, er hat eine der seltenen Kraftpillen gegessen, dann wird er für kurze Zeit selbst zum Geisterjäger. «Pac-Man» ist eines der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten. Zahlreiche Nachfolger wurden veröffentlicht, der jüngste Streich ist die «Pac-Man Championship Edition DX+».

Punktejagd
Die Championship Edition spielt sich ähnlich wie das Original, ist aber dynamischer, temporeicher und auf das Sammeln von Highscores ausgerichtet: Jede Partie findet in einem einzigen Labyrinth statt, die zu sammelnden Punkte erneuern sich ständig. Das Tempo passt sich automatisch an Erfolg und Misserfolg an. Zu den regulären Geistern kommen eine Vielzahl schlafender Geister, die erst durch den vorbeirasenden Pac-Man aufgeweckt werden und ihm in einer regenbogenfarbenen Reihe hinterherjagen. Kommen die Geister zu nahe, schaltet das Spiel auf Zeitlupe und erhöht damit Pac-Mans Chance auf ein Entkommen. Statt dem klassischen Levelaufstieg gibt es mehrere Labyrinthe, Spielmodi auf Punkte, Zeit oder Geisterjagd sowie mehrere visuelle Stile zur Auswahl. Über Internet lassen sich Highscores und Medaillen mit allen Mitspielern weltweit vergleichen.

Geist ist nicht gleich Geist
Der Schöpfer von «Pac-Man», Toru Iwatani, wollte seinerzeit ein aufheiterndes und witziges Spiel schaffen. Dazu gehörte nicht nur das Thema «Essen» – für die Figur von Pac-Man hat sich Iwatani von einer Pizza mit einem herausgeschnittenen Stück inspirieren lassen – sondern auch die individuellen Charaktere der vier Geister, die sich in unterschiedlichen Bewegungsmustern ausdrücken: Der rote Geist mit Spitznamen «Blinky» verfolgt Pac-Man stets direkt. Der rosafarbene «Pinky» versucht, ihm den Weg abzuschneiden. Der hellblaue «Inky» beteiligt sich nur bei Gelegenheit an der Jagd. Und der orangene «Clyde» schwebt bloss selbstversunken im Labyrinth herum. Vorbild für diese Charaktere war «Obake no Q-Taro», ein japanischer Manga (Comic) der 1960er und 70er Jahre, der die Geschichte eines Obake und seiner Freunde erzählt. Im japanischen Volksglauben gelten Obake als Geister, die der Formwandlung fähig sind – dies ist nur eine Klasse von Geistern, die gemäss der Mythologie den Lebensraum mit Menschen und vielen anderen wohlwollenden, spitzbübischen und bösartigen Geistern teilen. Geistergeschichten sind in Japan sehr populär, und so exportiert das Land mit «Pac-Man» und vielen anderen Games nicht nur Spielspass, sondern auch ein Teil seines Volksglaubens.

Aber eben auch Spielspass. Und davon bietet das technisch und spielerisch vollendete «Pac-Man Championship DX+» reichlich. Der kritische Nostalgiker mag zwar über den verflogenen Charme des originalen «Pac-Man» und die Annäherung an «neoliberale» Werte nörgeln – mehr Wettbewerb, mehr Punkteanhäufung, mehr Tempo, mehr Standardisierung und «Linientreue» bei den Geistern und mehr leeren Design-Schnickschnack. Nur um dann – «pakku-pakku» – der nächsten Highscore entgegen zu fiebern.


Angaben zum Spiel
Pac-Man Championship Edition DX+ (Mine Loader Software Co., Ltd./Namco Bandai Games 2013). Plattformen: Xbox Live; PlayStation Network; Windows Phone; Windows (XP/Vista/7/8). Offizielle Webseite: http://www.satinavs-ketten.de/. Preis: 9,99 Euro (PC-Downloadversion, normale Ausgabe). PEGI-Alterseinstufung: Ab 3 Jahren


Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

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