Nach Anschlägen: Islamische Professoren rufen zur Selbstkritik auf

Muslimische Theologen und Geisteswissenschaftler seien «mehr als andere aufgefordert, menschenverachtende Argumentationen in den ideologisierten Deutungen und Lesarten der islamischen Religion als existent wahrzunehmen», erklärten Professoren für Islamische Theologie in Frankfurt und Giessen am Montag in einer Stellungnahme.

Mitunterzeichner Professor Bekim Agai, Instituts-Direktor an der Goethe-Universität Frankfurt, ruft Muslime in Europa dazu auf, sich «stärker in die Debatten um Freiheit und die Rechte Anderer einzubringen». (Bild: Screenshot youtube.com)

Unterschrieben ist diese von den Professoren und Dozenten des Zentrums für Islamische Studien, Bekim Agai (Bild), Harun Behr, Armina Omerika, Ömer Özsoy und Yasar Sarikaya. Mit einer «blossen Distanzierung von Gewalttaten und den sie legitimierenden Ideologien» sei es nicht getan, erklären die Islamprofessoren. «Wie kann so etwas (die Gewalttaten) kein Problem für die Muslime sein oder ’nichts mit dem Islam zu tun haben‘, wie es häufig heisst?», fragen die Unterzeichner.

Freiheit im Widerspruch zu eigenen Überzeugungen

Muslimische Wissenschaftler sollten die Ursachen und Formen der ideologisierten Deutungen des Islams begreifen, die Bezüge auf die islamischen Lehren darin aufdecken und vor allem islamische Antworten darauf geben. Die Professoren rufen Muslime in Europa dazu auf, sich «aus einer binnenislamischen Sicht stärker in die Debatten um Freiheit und die Rechte Anderer einzubringen». Zur Begründung heisst es: «Freiheit bedeutet dabei nicht nur die eigene (Religions-) Freiheit, sondern eben auch die Freiheit der Anderen, die es auch dort zu verteidigen gilt, wo sie im Widerspruch zu den eigenen Überzeugungen steht.»

 

Zur Stellungnahme im Wortlaut