Blick ins Wurmloch – eine «Sternstunde» zur Science-Fiction

Anlässlich des «Back to the future»-Tags am 21. Oktober 2015 wurde im Schweizer Fernsehen über Science-Fiction und Philosophie diskutiert. Dabei kam heraus, dass auch die Zukunft nostalgisch machen kann. Eine Medienkritik.

Wer erinnert sich nicht an «Zurück in die Zukunft», jene legendäre Science-Fiction-Trilogie aus einer Zeit, als Männer noch Föhnfrisuren und Frauen Dauerwelle trugen? Heute ist die Zukunft aus «Zurück in die Zukunft» schon wieder Vergangenheit. Besser gesagt seit vorgestern. Denn genau am 21. Oktober 2015 spielte ein Teil des zweiten Films der Trilogie, der 1989 in die Kinos kam. Aus diesem Anlass versuchte die SRF-«Sternstunde», dem Genre Science-Fiction einmal metaphysisch auf den Grund zu gehen. Juri Steiner lud dazu den Philosophen Josef Früchtl und die Medienwissenschaftlerin Henriette Nagel ein. Heraus kam ein ebenso vergnügliches wie bisweilen verwirrliches Gespräch. Verwirrlich deshalb, weil die Zukunft, die Hollywood uns präsentiert, ganz schön kompliziert sein kann. Da gehören Zeitreisen wie in «Back to the future» noch zu den einfacheren Denksportaufgaben.

Zeitmaschine für den Zuschauer

Steiner moderierte wie immer charmant, formulierte einige seiner Fragen aber so durchdacht, dass es seinen Gästen glatt die Sprache verschlug. Früchtl überzeugte als Fernseh-Philosoph mit lose geknöpfter Krawatte und klugen Einwänden. Nagel bemühte sich, wundersame Dinge wie ein Paralleluniversum plausibel zu erklären. Manchmal hätte man sich als Zuschauer jedoch selber eine Zeitmaschine gewünscht, um in der Sendung vor- und zurückfahren und das Gesagte ganz verstehen zu können. Wie war das nochmals mit den sogenannten Wurmlöchern, durch die man in Schwarze Löcher reisen kann? Oder mit dem vierdimensionalen Hyperwürfel, der Raum und Zeit zusammenfasst?

Zum Glück nicht fehlerfrei

Eines wurde jedenfalls klar: Die modernen Mythen erzählt nicht mehr die Religion, sondern die Unterhaltungsindustrie, und die Wissenschaft liefert ihr den Stoff dazu. Zum Glück kommt dabei die Science-Fiction nicht ohne Fehler aus. Sonst würden wir heute immer noch in Aerobic-Anzügen auf die Strasse gehen wie in «Zurück in die Zukunft II». Vor allem aber müssten wir Angst haben vor den dunklen, kalten Welten, die das Genre oft erfindet, wie Josef Früchtl bemerkte. Ein Beispiel dafür ist der Film «Interstellar» aus dem Jahr 2014, der in der Sendung auch zur Sprache kam. Dagegen wirkt «Back to the future» geradezu unschuldig in seinem Achtziger-Jahre-Look. So mochte man am Ende der «Sternstunde» nostalgisch seufzen: Früher war auch die Zukunft besser.

Diese Medienkritik erschien am 23. Oktober 2015 in der «Reformierten Presse».