Grosse katholische Verlage wie Herder oder Sankt Benno präsentieren sich derzeit auf der Leipziger Buchmesse mit reihenweise «Franziskus-Literatur». Die unter Benedikt XVI. eingesetzte grosse Popularität sogenannter Papst-Bücher scheint auch unter dem Nachfolger anzuhalten. Der Pressesprecher des Freiburger Herder-Verlags, Andreas Bernheim, sagt: «Es gibt ein grosses Interesse daran, wer dieser Jorge Mario Bergoglio ist, der so überraschend zum Papst gewählt wurde». Das charismatische Wesen und erfrischend unkonventionelle Auftreten bringt dem Kirchenoberhaupt grosse Sympathien ein und steigert somit auch das literarische Interesse an seiner Person.
Franziskus kann Buchumsatzkönig Benedikt nicht knacken
So präsentiert Herder ein Franziskus-Porträt des argentinischen Journalisten Miguel Hirsch. Er hat mit engen Vertrauten, Freunden und alten Weggefährten von Bergoglio gesprochen, etwa seiner Schwester und seiner «Jugendliebe». Für den Herbst plant Herder die Herausgabe von Vorträgen zur religiösen Erziehung, die Bergoglio seinerzeit als Erzbischof von Buenos Aires gehalten hat. «Unter Benedikt XVI. waren wir der Verlag des Papstes in Deutschland, und das wollen wir natürlich auch unter Franziskus bleiben», erklärt Bernheim. Die Verkaufszahlen seien sehr gut, wenngleich der Umsatz der Bergoglio-Lektüre nicht an den der Ratzinger-Bücher heranreiche.
«Es hat dabei sicher eine wichtige Rolle gespielt, dass es eben ein deutscher Papst war.» Das erste der drei Jesus-Bücher von Benedikt XVI. etwa zähle inzwischen mehr als eine halbe Million verkaufte Exemplare. Insgesamt sei das Interesse an Ratzinger-Büchern zwar seit dem Rücktritt und Rückzug aus der Öffentlichkeit zurückgegangen, doch immer noch beachtlich.
Benedikt als Wegbereiter für den Papst-Literatur-Boom in Deutschland
Den Erfolg der Franziskus-Bücher sieht der Geschäftsführer des Katholischen Medienverbands, Konrad Höss, denn auch in der «Vorlage» von Benedikt XVI. als dem Papst aus Deutschland begründet. Dieser habe erst das öffentliche Interesse in Deutschland für solche Bücher begründet. Er habe quasi die Tür zum deutschen Buchmarkt aufgestossen. «Wenn auf Johannes Paul II. ein Italiener gefolgt wäre, hätten jetzt die Franziskus-Bücher hierzulande sicher nicht solch hohe Absatzzahlen», so Höss.
Als weitere Trends, die sich im religiösen Buchbereich inzwischen schon etabliert haben, nennt Höss die Themen Spiritualität und Lebenshilfe. Bei der Frage, wie sich christliches Leben gestalten lasse, bestehe bei den Lesern, kirchennahen wie konfessionslosen, ein grosses Interesse vor allem an klösterlicher Lebensführung und Tradition. Ferner beobachtet Höss eine zunehmende Nachfrage nach Büchern zum christlichen Dialog mit Islam, Judentum und Buddhismus.
Umsatz im religiösen Fachbuchbereich trotzdem rückläufig
Ein weiteres «Zugpferd» ist seit mehreren Jahren die Sparte der religiös-gefärbten Biographien von Prominenten. Dazu gehört die jetzt im katholischen Adeo-Verlag erschienene Lebensgeschichte von Patricia Kelly, die seinerzeit als Mitglied der singenden irischen Kelly-Family bekannt wurde. Auch auf evangelischer Seite boomt dieser Bereich. Die Geschäftsführerin der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger, Renate Nolte, berichtet: «Die Leser wollen praktische, lebensnahe und anschauliche Geschichten lesen, wie jemand seinen Glauben im Alltag lebt und daraus Kraft schöpft.»
Zudem beobachtet Nolte, dass im Zuge des demografischen Wandels immer mehr auch Titel zu Demenz, Pflege und Altenbetreuung nachgefragt werden. Hingegen sei der religiöse Fachbuchbereich eher rückläufig. «Das hat auch mit der zunehmenden digitalen Verfügbarkeit zu tun – an den Unis verweisen die Dozenten immer häufiger auf Downloads, statt den Kauf eines Fachbuchs zu empfehlen», so Nolte mit Bedauern.