Die Porträts der Protagonisten, die offen über ihre Erfahrungen Auskunft geben, lassen einen Schluss zu: Es gibt viele Wege zum Gipfel der Lust, aber jeder ist eine Gratwanderung. Manche halten sich streng an die Gebote ihrer Religion – und werden glücklich, wie das jüdisch-orthodoxe Paar Vered und Chanoch oder die türkische Muslima Hülya. Andere lehnen sich dagegen auf – und werden auch glücklich, wie die jungen Hindus Nimishi und Mohit, die gegen alle Kastenregeln Partner sind. Und noch etwas macht die Dokumentation deutlich: Die Gesetze zur Kontrolle der Geschlechtlichkeit betreffen Frauen nach wie vor viel stärker als Männer. Die Jüdin Vered darf während ihrer Menstruation nicht einmal Windeln wechseln, weil sie diese spirituell verunreinigen würde. Im schiitischen Islam gibt es für Männer, die Abwechslung suchen, die Möglichkeit, eine «Ehe auf Zeit» zu schliessen, auch nur für eine Stunde und gegen Geld – eine Form religiös legitimierter Prostitution. «Richtig» geheiratet wird nur eine Jungfrau.Verbindung von Sexualität und Spiritualität
Dagegen erscheint das Schicksal der jungen Protestantin Elena aus Berlin geradezu idyllisch. Sie muss nicht gegen die Kirche ankämpfen, um ein freies Liebesleben zu führen. Hier ist Sex Privatsache. Eros und Religion haben wenig miteinander zu tun. Aber, so merkt man: Das gilt im Guten wie im Schlechten. Es findet auch keine echte Verbindung von Sexualität und Spiritualität statt, wie sie andere Kulturen kennen: in Indien etwa mit den Schulen des Tantra, im Judentum mit der Theologie des Sabbat, die das Gebot beinhaltet, dass Mann und Frau an diesem Tag miteinander schlafen.