Meereis in der Antarktis erreicht Rekordtief
In der Antarktis gibt es derzeit so wenig Meereis wie noch nie seit Beginn der Satellitenbeobachtungen vor 40 Jahren. Anfang Februar waren lediglich 2,2 Millionen Quadratkilometer des Südlichen Ozeans von Meereis bedeckt. Damit wurde das bisherige Rekordminimum aus dem Jahr 2022 von 2,27 Millionen Quadratkilometer bereits unterschritten. Das teilte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung am Freitag mit.
Schmelze dauert noch an
Generell erreicht das Meereis in der Antarktis im September oder Oktober mit einer Ausdehnung von 18 bis 20 Millionen Quadratkilometer seinen Höhepunkt und jeweils im Februar sein Minimum. Die Meereisschmelze wird voraussichtlich noch bis in die zweite Februarhälfte andauern.
Ein Expeditionsteam des wissenschaftlichen Instituts ist derzeit auf dem Forschungs-Eisbrecher «Polarstern» im Bellingshausenmeer in der Westantarktis unterwegs. Dort herrschen nahezu eisfreie Verhältnisse, wie Expeditionsleiter und Geophysiker Professor Karsten Gohl sagte. «Eine solche extreme eisfreie Situation habe ich hier zuvor noch nicht erlebt», sagte er, der seit 1994 bereits zum siebten Mal in dieser Region ist. «Es gibt einem zu denken, dass diese Änderung in so kurzer Zeit geschehen ist».
Historische Warmzeiten
Das Meereis in der Arktis hat in den letzten sechs Jahren stetig abgenommen. Diese Entwicklung bezeichnen die Wissenschaftler als «sehr erstaunlich», da sich die Eisbedeckung in den 35 Jahren davor kaum verändert hatte. Unklar sei, ob bald kein sommerliches Meereis mehr in der Arktis vorhanden sein könnte oder ob es sich nur um eine neue Phase mit geringerer, aber weiterhin stabiler Meereisbedeckung im Sommer handle, heisst es in der Mitteilung.
Eine wichtige Ursache für das Schmelzen des Eises ist die Klimaerwärmung. Darum untersucht das Expeditionsteam vor Ort Meeressedimente, um herauszufinden, wie sich das Meereis in der letzten Warmzeit vor 120'000 Jahren sowie einer ausgeprägt lang anhaltenden warmen Periode im Pliozän vor rund 3,5 Millionen Jahren entwickelte. Für die damalige Erwärmung waren langsam verändernde Erdbahnparameter die Ursache.
Mit diesen Erkenntnissen wollen die Forschenden Schlüsse ziehen, wie weit und wie schnell die Eisschmelze voranschreitet, wenn Kipppunkte der heutigen, rasant verlaufenden und vom Menschen verursachten Klimaerwärmung erreicht sind. Das Abschmelzen des Meereises bestimmt wesentlich die zukünftige Entwicklung des globalen Meeresspiegels. (epd/eba)