Der katholische Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung warnten bei der Gedenkfeier vor neuen drohenden Völkermorden in Afrika, etwa im Südsudan oder in der Zentralafrikanischen Republik. Beide forderten, die Weltgemeinschaft dürfe nicht wie 1994 in Ruanda wieder die Augen vor massenhaften Verbrechen verschliessen. «Wir sind auch in Europa mitschuldig geworden», sagte Lehmann.
Ebenso hätten die christlichen Kirchen im rheinland-pfälzischen Partnerland während des Genozids versagt, bedauerte Lehmann bei dem Gottesdienst, an dem auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer und deren Vorgänger Kurt Beck (beide SPD) sowie die ruandische Botschafterin teilnahmen. Vereinzelt hätten Kirchenvertreter sich sogar selbst an den Morden beteiligt. All dies sei «beschämend». Jung erinnerte in seiner Predigt an die Mitverantwortung der einstigen Kolonialmächte Deutschland und Belgien. Diese hätten durch ihre Politik mit zur sozialen Spaltung in Ruanda beigetragen und damit den Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutus und Tutsi befeuert.
Der Kirchenpräsident würdigte zugleich die Kraft vieler Ruander, sich für Versöhnung einzusetzen und den Tätern zu vergeben. Rheinland-Pfalz ist seit 1982 durch eine offizielle Partnerschaft mit Ruanda verbunden. Viele Rheinland-Pfälzer verloren während des Genozids Freunde oder Projektpartner.