Jerusalem: Erneut Proteste gegen Beterinnen an der Klagemauer

In Israel schwelt der Konflikt zwischen Vertretern des strengorthodoxen Judentums und jüdischen Frauenrechtlerinnen weiter. Am Sonntag, 9. Juni, demonstrierten bei den traditionellen Gebeten zum jüdischen Monatsbeginn in Jerusalem Tausende von strengreligiösen Juden gegen die Gruppe «Women of the Wall» (WOW - Frauen an der Mauer).


Wie die katholische Nachrichtenagentur Kipa berichtet, eskortierte die Polizei mehrere hundert WOW-Aktivistinnen, die an der Klagemauer beteten, nachdem es im Mai zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen war.

Hintergrund ist der Streit um die Rechte von Frauen und Reformjuden an der Klagemauer. Ein Jerusalemer Gericht hatte Ende April fünf WOW-Aktivistinnen freigesprochen, die zuvor von der Polizei festgenommen worden waren, weil sie ihre Gebete laut sprachen und den traditionell Männern vorbehaltenen Gebetsschal trugen.

Das für die Klagemauer zuständige Rabbinat sieht im Tragen des Gebetsschals oder -Riemens sowie in Thoralesungen durch Frauen eine Verletzung des jüdischen Religionsrechts. Der Oberste Gerichtshof hatte im Jahr 2000 Frauen diese Rechte zunächst zugestanden. Kurz darauf wurde jedoch in der Knesset ein Gesetzentwurf der religiösen Parteien angenommen, der entsprechende religiöse Zeremonien in der Frauenabteilung verbietet.