Ein Geruch von verbranntem Stroh und Butterfett liegt in der Luft vor dem Pashupatinath-Tempel unweit von Kathmandu. Das Fett wird im Hinduismus für die letzten Riten gebraucht, das Stroh wird benötigt, um die Scheiterhaufen anzufachen.
Alle Einäscherungsplätze am Fluss Bagmati sind belegt – und das schon seit fast einer Woche. «Ich habe noch nie so viele Leichen über so viele Tage hinweg zu uns kommen sehen», sagt Bishnu Prasad Neupane. Dabei arbeitet er schon seit 20 Jahren als Einäscherer in Nepals Hauptstadt.
Nach dem gewaltigen Erdbeben am Samstag, dem stärksten seit mehr als 80 Jahren, bergen die Rettungskräfte immer weitere Leichen aus den Trümmern. Tausende Tote sind im Himalaya-Land zu beklagen. «Wir sind erschöpft», sagt Neupane. Es würden einfach nicht weniger. Seine Männer arbeiteten schon in 16- bis 18- Stunden-Schichten. «Es stinkt jetzt auch, denn die Leichen fangen an zu verwesen.»
Auf den Stufen, die zum Wasser hinunterführen, steht Baburam Bhatta. Der 42- Jährige hat einen guten Freund verloren, mit dem er jeden Morgen eine Runde durch sein Viertel in Kathmandu spaziert ist. So auch am verhängnisvollen Samstag. «Es war sein Geburtstag», sagt Bhatta. «Wir sind zusammen losgegangen und zu einem nahe gelegenen Tempel gelaufen, wo er sich den Segen geholt hat.»
Dann sei sein Freund in seinen Mode- und Parfüm-Laden in der Nähe des Busbahnhofs Gongabu gegangen. Kurz vor 12 Uhr krachte das sechsstöckige Gebäude auf ihn herab. Erst 96 Stunden später hätten die Suchmannschaften ihn entdeckt, sagt Bhatta. Nun sei er so schnell wie möglich eingeäschert worden – das schreibt der Hinduismus so vor. Sonst könnten böse Geister in den Körper fahren.
Die Männer vor dem Pashupatinath-Tempel sind ununterbrochen damit beschäftigt, ordentliche Holzscheite zu stapeln, zwei Meter lang und 1,2 Meter breit. Sie stehen im Freien direkt am Wasser, unter einer Art Pavillon. Auf der Scheiterbeige wird der Leichnam so gelegt, dass er möglichst vollständig verbrennt. Drei Stunden dauert das. Dann wird die Asche in den Fluss gekehrt, wo auch zahlreiche Girlanden aus Ringelblumen schwimmen, die den Toten umgelegt werden.
«Die Holzstösse brennen nun 24 Stunden am Tag, jeden Tag der Woche», sagt Neupane. Auch auf kleinen mit Gras bewachsenen Inseln in der Mitte des Flusses werden nun Menschen kremiert. Der Priester Krishna Ghimire sagt, für ihn sei es besonders schlimm, die ganzen toten Kinder zu sehen. «Manchmal müssen wir auch zwei Kinder auf einen Scheiterhaufen legen, weil wir keinen Platz haben», sagt er.