Israelischen Medienberichten zufolge handelte es sich bei dem mehrstündigen Zug um das grösste Begräbnis in der Geschichte des Landes. Mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung kamen, um dem Oberrabbiner die letzte Ehre zu erweisen.
Während des Zuges wurden nach Angaben der Sanitätsdienste rund 300 Personen mit leichten Verletzungen durch Stürze und Quetschungen behandelt. 15 Verletzte wurden zur Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Medienberichten zufolge waren 4000 Sicherheitskräfte im Einsatz; über der Stadt kreisten seit dem frühen Nachmittag Hubschrauber. Viele Strassen Jerusalems, darunter die Hauptzufahrtsstrasse, waren für den Privatverkehr geschlossen.
Vertreter von Judentum und Politik ehrten Josef als herausragenden spirituellen Führer des Landes. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete Josef als einen der grössten Rabbiner und weisesten Männer dieser Generation. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte, Rabbi Ovadia Josef habe für mehrere Jahrzehnte zur Landschaft Jerusalems gehört.
Geistlicher Führer der ultraorthodoxen Schas-Partei
Josef wurde 1920 als Abdullah Josef im Irak geboren; 1924 kam er mit seinen Eltern nach Jerusalem. Mit 20 Jahren wurde er zum Rabbiner ordiniert. Unter anderem war Josef als Oberrabbiner Ägyptens und Richter an verschiedenen Gerichten, darunter dem Obersten Rabbinergericht tätig. Von 1973 bis 1983 war Ovadia Josef sephardischer Oberrabbiner Israels, bevor er geistlicher Führer der ultraorthodoxen Schas-Partei wurde. Für seine Arbeiten zum jüdischen Recht wurde er 1970 mit dem Israelischen Preis für Thora-Literatur ausgezeichnet.
Als religiöse Autorität und politischer Hardliner machte Josef immer wieder mit provokanten Äusserungen von sich reden. Unter anderem wünschte er 2010 der palästinensischen Führung in einer Predigt «die Pest». Im selben Jahr gehörte er zu einer Gruppe von Rabbinern, die einen religiösen Urteilsspruch gegen Immobiliengeschäfte von Juden mit Arabern erliessen. 2005 führte er den Hurrikan Katrina in New Orleans auf mangelndes Bibelstudium der Hurrikan-Opfer zurück.