«Buone notizie» und darunter ein stilisiertes Lächeln: So präsentiert sich der «Corriere della Sera» auf seiner neuen Webseite, die Anfang des Jahres aufgeschaltet wurde. Sie ist als Ergänzung zur Hauptausgabe gemeint und will ausschliesslich über Aktivitäten informieren, die das kriselnde Land voranbringen und die Menschen verbinden. Das Beispiel zeigt, dass nun auch die grossen Medienhäuser begonnen haben, die positive Welle zu reiten.
Geformt hat sie sich noch im letzten Jahrtausend, als Pionierinnen erkannt haben, wie wichtig die innere Haltung des Beobachters ist – für das Individuum wie auch für die Gesellschaft: Negativität führt zu Hilflosigkeit, Passivität, Destruktion und nährt Zukunftsängste. Eine optimistische Sichtweise hingegen pflanzt Samen, die eine gute Ernte ermöglichen. Es mag nicht erstaunen, dass es am Anfang vor allem Frauen waren, die sich dafür einsetzten. Sind es doch die klassisch weiblichen Qualitäten, die das Verbindende, Aufbauende unterstützen. Eine der ersten war die Britin Shauna Crockett-Burrows mit ihrer schon 1983 lancierten «Positive News». Die Zeitschrift hat heute Ableger in Spanien, Hongkong, den USA und Argentinien.
Nachrichten aus dem stillen Kämmerchen
Für längere Zeit blieb die Welle klein. In den letzten Jahren indes ist sie enorm gewachsen. Das hängt zum einen mit dem erstarkten Bewusstsein zusammen, dass es so mit unserer Welt nicht weitergehen kann. Abgesehen davon sind sich viele Menschen des täglichen Terrors von Hiobsbotschaften überdrüssig. Zum anderen hat das Internet einen grossen Spielraum geschaffen. Die Welt hat sich vernetzt, und es braucht keine Konzerne mit grossen Redaktionsstuben mehr, um das Millionenpublikum zu erreichen. Ein stilles Kämmerchen mit einem Computer reicht heute schon aus. Die neuen Programme machen es möglich, dass man nicht einmal mehr einen Webmaster braucht, um eine Seite täglich mit Inhalt zu füttern.
Lustige Katzenvideos – warum auch nicht?
Die einzelnen positiven Wellen nennen sich also «Happy Times», «Sunny Sky» oder einfach nur «Yes!». Und die News, die dort verbreitet werden, sind sehr unterschiedlicher Natur: Es geht um ökologische Projekte, interessante Denkansätze, mutige Menschen, positive Tendenzen der Gesellschaft. Wer sucht, findet im grossen, unüberschaubaren Angebot genau das Richtige für sich. Sehr oft allerdings reduzieren sich die Inhalte auf schiere Oberfläche mit lustigen Katzenvideos oder Szenen mit beschenkten Obdachlosen. Warum nicht? Heitere Momente und ein berührtes Herz können nicht schaden.
Der kritisierende Geist indes kann so etwas natürlich nicht gutheissen. Einspruch kommt denn auch von überall. Auch aus grundsätzlichen Überlegungen und aus den eigenen Reihen: «Sich nur auf positive News zu fokussieren ist genauso doof, wie wenn man nur negative im Auge hat», sagt etwa Jurriaan Kamp aus Dänemark. Der Gründer der Zeitschrift «The Intelligent Optimist» hat sich einer optimistischen Sichtweise verschrieben, die differenziert nach intelligenten Lösungen sucht.
Parabel erklärt Phänomen
Die «Reporter positiver Nachrichten» interessieren sich nicht für Zwischenlösungen und begründen das mit einer einfachen, aber raffinierten Parabel. Darin geht es um einen Hund, der einen Tempel mit tausend Spiegeln besucht. Als er sein Spiegelbild sieht, beginnt er wütend zu bellen. Wieder draussen denkt er: «Die Welt ist voller böser Hunde.» Kurz darauf betritt ein anderer Hund den Tempel. Als er sich tausendfach gespiegelt sieht, wedelt er mit seinem Schwanz. Wieder draussen sagt er sich: «Wow! Was für eine tolle Welt!»
Marc Zollinger ist freier Journalist. Er lebt in Rom.
Dieser Artikel stammt aus der Reformierten Presse vom 20. Februar 2015.